Das Geheimnis der Urmenschen


Hilfe, Dinos!

Eine biblische Perspektive zu Sauriern und Drachen

Von Timo Roller

Dinosaurier im Kino! Abenteuer für jung und alt. »Jurassic Park«, »Jurassic World«: Spektakuläre Computer-Animationen erwecken die ausgestorbenen Urzeittiere zum Leben – digital und furchteinflößend.

Dazu eine ganze Marketing-Maschine. T-Shirts, Sticker, Computerspiele und Lego-Dinosaurier.

Schon Kinder sind von den Dinos einfach begeistert: Ein schrecklicher Scharfzahn verfolgt den kleinen Langhals «Littlefoot». Einfach nur cool! Ein bisschen Nervenkitzel für die Kinderseele, »in einem Land vor unserer Zeit«.

In Kinderzimmern gibt es Plastikdinos, Bücher mit Aufklappseiten und Saurier-Geräuschen, Klamotten, Bettwäsche … und natürlich Littlefoot-DVDs, später muss dann die Trilogie von Jurassic Park her.

In zahlreichen Museen und Ausstellungen gibt es Dinosaurier zu sehen, manchmal mit Steinbrüchen zum Fossiliensuchen. Auch viele Kinder von Christen sind Dino-Fans. Manche Eltern macht das unsicher: Wie sind Dinosaurier aus biblischer Perspektive einzuordnen?

Ich selbst habe mich als Kind auch für Dinosaurier interessiert. Als ich älter wurde, entdeckte ich die Widersprüche zwischen den gängigen Erklärungen zur Erdgeschichte und den Aussagen der Bibel. Ich wurde skeptisch gegenüber der Evolutionstheorie und lehne sie inzwischen ab. Als Papa eines Dino-Fans habe ich aber Sätze vorgelesen wie diesen: »Dinosaurier gab es über 160 Millionen Jahre lang. Vor 65 Millionen Jahren starben sie alle aus« oder »Vor hundert Millionen Jahren, als es noch keine Menschen auf der Welt gab …«

Sollten gläubige Eltern ihren Kindern das Dinosaurierfieber austreiben und ihnen lieber biblische Geschichten vorlesen?

Bei mir war es bald zu spät – ich hatte mich angesteckt!

Lassen Sie sich anstecken!

Diese Dinosaurier waren ja faszinierende Lebewesen: Gigantisch, gefährlich, aus einer anderen Welt. Faszination lässt die Kinder spielend vieles lernen über die Erdgeschichte, die Natur, über verschiedene Zusammenhänge. Lernen Sie mit. Machen Sie das Dino-Fieber zu einem Vater-Sohn-Projekt! Mütter und Schwestern müssen draußen bleiben. (Außer sie interessieren sich auch dafür – soll es wohl geben.)

Als Bibelleser habe ich im Zusammenhang mit den Sauriern die Kapitel 40 und 41 aus dem Buch Hiob entdeckt:

»Siehe da den Behemot, den ich geschaffen habe wie auch dich! Er frisst Gras wie ein Rind. Siehe, welch eine Kraft ist in seinen Lenden und welch eine Stärke in den Muskeln seines Bauchs! Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel sind dicht geflochten. Seine Knochen sind wie eherne Röhren, seine Gebeine wie eiserne Stäbe.

Kannst du den Leviatan fangen mit der Angel und seine Zunge mit einer Fangschnur fassen? Ich will nicht schweigen von seinen Gliedern, wie groß, wie mächtig und wohlgeschaffen er ist. Wer kann ihm den Panzer ausziehen, und wer darf es wagen, ihm zwischen die Zähne zu greifen? Wer kann die Tore seines Rachens auftun? Um seine Zähne herum herrscht Schrecken. Sein Niesen lässt Licht aufleuchten; seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte. Aus seinem Rachen fahren Fackeln, und feurige Funken schießen heraus. Aus seinen Nüstern fährt Rauch wie von einem siedenden Kessel und Binsenfeuer. Sein Odem ist wie lichte Lohe, und aus seinem Rachen schlagen Flammen.« (Hiob 40,15–18.25; 41,4–6.10–13)

Wenn ich mir eine der Bibel entsprechende kurze Erdgeschichte vorstelle, müssen sich dann nicht zwangsläufig Mensch und Dino begegnet sein? Wurden diese Begegnungen dann nicht in den Drachensagen aller Kulturen weitergegeben? (»Drachen« sind übrigens auch so ein Thema in den Kinderzimmern, später noch etwas mehr darüber) Die Worte Gottes im Buch Hiob sind Beschreibungen tatsächlich existierender Lebewesen – darf ich sie überhaupt anders interpretieren? »Dinosaurier sind ausgestorben, lange bevor sich die Menschen entwickelten«: Dieser Satz aus dem Dinobuch widerspricht dem, was ich glaube. Doch sollte ich diese offensichtliche Herausforderung ablehnen und mein Kind vor solchen Gegensätzen bewahren?

Aus der Faszination für die Dinosaurier kann eine ganz neue Faszination für die Schöpfung Gottes werden! Und eine Chance, sich seines eigenen Glaubens ein Stück sicherer zu werden.

Unaussprechliche Namen

»Der Tuojiangosaurus gehörte zu den Panzerechsen und war mit dem Stegosaurus verwandt.« – Die Kinderbücher präsentieren eine unüberschaubare Anzahl von Dinosaurier-Arten mit zungenbrecherischen Namen. Ich frage mich des öfteren, wie die vielen Arten eigentlich zustande kommen. Sehen nicht viele Saurier die so unterschiedliche Namen haben wie «Gigantonosaurus», «Allosaurus» oder «Tyrannosaurus Rex» einfach ziemlich gleich aus? Bei heutigen Tieren gibt es doch gewisse Unterschiede innerhalb der Arten. Will man so die Abstammungslinien herleiten? Aber wie kommt es dann, dass es niemand so recht wagen will, sie in eine Linie zu bringen – an den Abzweigungen der Dino-Stammbäume stehen keine Übergangsformen.

Gibt es die vielen Arten hauptsächlich, weil das Prestige des Finders und die Notwendigkeit der Grabungsfinanzierung eine Rolle spielt? In Büchern steht, es gebe über tausend Saurierarten. Und dann höre ich, dass Berühmtheiten wie »Triceratops« weltweit erst dreimal gefunden wurden. Doch seine »Verwandtschaft« ist groß und die Ähnlichkeiten teilweise verblüffend. Da wäre es doch ehrlicher, Bezeichnungen zu verwenden wie »Dreihörner«, »Scharfzähne« und »Langhälse«, kindgerecht wie »in einem Land vor unserer Zeit«.

Wo sind die Jahrmillionen?

Im Bürgermeister-Müller-Museum in Solnhofen gibt es einige besondere Funde aus dem Plattenkalk: Libellen mit zarten Flügeln und Quallen mit ihren weichen, aber trotzdem gut erhaltenen Körpern. Wie schnell müssen diese fossilliert sein, um so gut archiviert worden zu sein! In den Texttafeln dazu ist ganz beiläufig davon die Rede, dass bei der Entstehung der Schichten Ebbe und Flut eine Rolle gespielt haben müssten. Das kann man leicht überlesen. Aber wenn man nachrechnet, ist diese Aussage sensationell: Die Schichten im Jura-Plattenkalk sind teilweise sehr fein, vielleicht zwei Millimeter dick. Wenn aber zweimal am Tag beim Abblauf von Flut und Ebbe sich eine Schicht gebildet haben könnte, dann wären das im Laufe eines Jahres 730 Schichten! 1460 Millimeter. Die Entstehung von 50 Meter mächtigem Gestein würde dann nur knapp 35 Jahre benötigt haben! Das ist nur eine grobe Schätzung, doch für die Bildung der Juraschichten in Solnhofen werden mehrere Millionen Jahre angegeben!

Zum Buntsandstein heißt es: »Zunächst wechselten Halbwüsten und Flusslandschaften einander ab, doch kam das Becken wohl zunehmend unter den Einfluss des Megamonsuns, der im Sommer reichlich Regen in die Höhen des Zentralmassivs schickte und damit die Flüsse gen Nordosten anschwellen ließ. Es bildete sich ein stärker saisonal geprägtes Klima heraus. Die Flüsse wurden größer, und die von ihnen abgelagerten Geröllhorizonte wuchsen an.«

Wenn sich über 2 Millionen Jahre lang jedes Jahr ein Geröllhorizont gebildet hätte, dürfte die Entstehung der Gesteinsschichten im Nachbarort von mir, von der dabei die Rede ist, jedes Jahr nur durch Schichtstärken von Bruchteilen eines Millimeters abgelaufen sein. Im zitierten Buch heißt es aber weiter: »Im Mittleren Buntsandstein erreichen sie mehrere Meter Mächtigkeit und führen regelmäßig Knochen verschiedener urtümlicher Panzerlurche und Reptilien.«

Hier wie dort: wo verstecken sich die Jahrmillionen?

Das Gefieder des T-Rex

Aus meiner Jugend – aus dem Film «Jurassic Park» – kenne ich noch den Velociraptor. Auch mein Sohn hat eine Plastikversion des kleinen wendigen Killers mit der scharfen Kralle am Fuß. Im Stuttgarter Museum bin ich ihm wieder begegnet: Es gibt ihn in zwei Versionen: Der bisherigen mit Saurierschuppen – und der aktuelle, auf neuen Funden begründete gefiederten Ausgabe. Auch von Tyrannosaurier sind jüngst Jungtiere mit Federn gefunden worden und so widmet der Ausstellungsführer der »Entstehung der Vögel« ein Kapitel: »Die historisch erste und bis heute bedeutendste Zwischenform war der Urvogel – ›halb Reptil, halb Vogel‹, wie es häufig allzu vereinfacht umschrieben wird.« Zur aktuellen Forschungssituation heißt es weiter: »Das Problem hatte sich buchstäblich verdoppelt: Jetzt fehlten gleich zwei Missing Links« … (S. 86)

Neben Archaeopteryx gibt es inzwischen viele Federn tragende Geschöpfe: Caudipteryx, Microraptor, Oviraptor, wie sieht daher nun der Stammbaum aus? Keine Zwischenformen an den Knotenpunkten und als Urahnen mit Fragezeichen versehene »frühe Theropoden«! Interessant ist in dem Beitrag der Hinweis auf den südamerikanischen Waldvogel Hoatzin, dessen Küken mit jeweils zwei Krallen »ein frühes Stadium der Evolution imitieren«.

Könnte es nicht sein, dass es früher einfach einige seltsame Vogel- und Saurierarten gab, die irgendwann aufhörten zu exisiteren, ohne dass sie darum unbedingt Missing Links sein mussten?

Gelassen bleiben!

Und nun? Ist es gut, dass unsere Kinder in ihrem »Dino-Fieber« die Evolutionstheorie quasi kostenlos mitgeliefert kriegen? Dass sie eine naturalistische Weltanschauung eingeimpft bekommen?

Ich denke, Eltern dürfen hier gelassen bleiben. Die Evolutionstheorie ist keine unheilbare Krankheit! Wir können unsere Kinder nicht vor den Einflüssen einer wissenschaftsgläubigen Welt bewahren, die Gott in eine immer kleiner werdende Nische zwängen will. Wir müssen ihnen beibringen, sich damit auseinanderzusetzen und ihren eigenen Standpunkt zu finden.

Für Kinder ist es wichtig, in Erwachsenen und insbesondere Lehrern Autoritätspersonen zu sehen, die es zu respektieren gilt. Daher ist es schwierig, Biologielehrern oder liberalen Religionslehrern diese Autorität abzusprechen. Es ist aber durchaus möglich, schon Jüngeren zu zeigen, dass es Menschen gibt, die nicht an Gott glauben und die eine alternative Möglichkeit suchen, sich die Entstehung des Lebens zu erklären. Leider glauben heute auch viele Christen an Gottes Wirken durch Evolution.

Mein Sohn hat mich immer mal wieder mit der Selbstverständlichkeit seines kindlichen Glaubens überrascht: »Gell Papa, das hat Gott gemacht!« So schnell wird er keine Probleme haben, an dieser Ansicht festzuhalten.

Irgendwann aber können diese Fragen kommen, bei machen Heranwachsenden nur zaghaft, bei anderen in existentieller Form. Bei stark rational denkenden Menschen – und zu ihnen gehören zum Beispiel viele Studenten – können die Widersprüche zwischen Glaube und Wissenschaft zu einer Abkehr von Gott führen, wenn sie nicht befriedigend aufgelöst werden. Ratlose Eltern und Gemeinden sind hier wenig hilfreich.

Nun muss nicht jeder Papa oder jede Mama ein schöpfungswissenschaftlicher Experte sein, doch manche Problemfelder darf man schon angehen – vielleicht gemeinsam mit dem älter werdenden Kind. Und man kann darauf achten, bei entsprechenden Fragen und Zweifeln auf Vorträge, Filme oder Bücher hinzuweisen, die es heute glücklicherweise in ausreichender Menge und guter Qualität gibt. Gerade die Literatur der «Studiengemeinschaft Wort und Wissen» kann hier wertvolle Hilfe leisten, besonders zu empfehlen ist »Leben – woher« von Reinhard Junker. Eine ergiebige Informationsquelle sind darüber hinaus a href="//www.wort-und-wissen.de">www.wort-und-wissen.de und www.genesisnet.info.

Wer weiß – vielleicht wird ja aus manchem kleinen Dino-Fan später einmal ein Naturwissenschaftler, der Gott zur Ehre daran forscht, wie die Berichte der Bibel sich mit den Daten der Forscher in Einklang bringen lassen. Das Reifen des Glaubens und der Persönlichkeit braucht Begleitung der Eltern und der Gemeinde, in Rat und Tat, im Vorleben und im Gebet. Damit aus dem kindlichen Glauben ein festes Vertrauen auf Gott wird, das den Anforderungen unserer Zeit standhält.

Dinos und Drachen

Noch einmal zurück zu den Drachen: Es ist schon ein merkwürdiger Anblick im Kinderzimmer: Feuerdrache und Tyrannosaurus sehen sich ähnlich, wenn sie da so nebeneinander stehen. Ist es Zufall, dass es offensichtlich eine gewisse Verwandtschaft zwischen Drache und Dinosaurier gibt? Sind Drachen der Fantasie unserer Vorfahren entsprungen, sind sie reine Sagengestalten oder waren sie eigentlich Dinosaurier?

Carl Sagan ist vielen bekannt durch sein Buch »Contact«, das mit Jodie Foster als Hauptdarstellerin verfilmt wurde. Er war Berater einer Raumfahrt-Mission für die NASA und Mitgründer des SETI-Projekts. Die Suche nach außerirdischer Intelligenz (SETI steht für »Search für Extraterrestrial Intelligence«) wird auch in »Contact« thematisiert. Ein anderer kluger Kopf, Isaac Asimov, sagte laut Wikipedia über ihn, »dass er nur zwei Menschen getroffen habe, die er für klüger hielt als sich selbst. Carl Sagan sei einer dieser Menschen gewesen«.

Carl Sagan (1934–1996) war überzeugter Evolutionist. In seinem Buch »Die Drachen von Eden« stellt er fest: »Dass es in so vielen Kulturen Drachenmythen gibt, ist vermutlich kein Zufall.« Bevor wir uns die verblüffende Erklärung Sagans für dieses Phänomen ansehen, wollen wir einen Blick in die Bibel und die Geschichte werfen, um den »schrecklichen Echsen« (griechisch: »deinos« = schrecklich; »sauros« = Echse; daher der Name »Dinosaurier«) auf die Spur zu kommen.

Die Bibel, Drachen und Schakale

Das Suchwort »Drache« findet sich im Alten Testament der aktuellen Lutherübersetzung zwölf Mal. In der ursprünglichen Ausgabe von 1545 sind es 23 Treffer, in der Elberfelder Bibel dagegen nur zwei.

Oft wird der Drache – wie z.B. in der Offenbarung – als Metapher für das Böse verwendet, so auch in Jeremia 51,34: »Nebukadnezar, der König von Babel, […] hat mich verschlungen wie ein Drache.«

Wenige Zeilen nach diesem Vers folgt bei genauerem Betrachten eine Überraschung: In Jeremia 51,37 steht im ursprünglichen Luthertext »Drachenwohnung«. In den heutigen Lutherausgaben ist dort aber von einer »Wohnung der Schakale« die Rede. Die Übersetzung aus dem Grundtext ist hier nicht immer eindeutig und der Autor Darek Isaacs vermutet, dass die Übersetzer neuerer Ausgaben an jenen Stellen das Wort »Drache« durch »Schakal« ersetzten, wo es der Bibeltext offensichtlich keinesfalls als Metapher verwendet, sondern ein echtes Wesen meint.

Der vollständige Vers lautet also in einer Lutherbibel von 1841 noch: »Und Babel soll zum Steinhaufen und zur Drachenwohnung werden, zum Wunder und zum Anpfeifen, dass niemand darinnen wohne.« Die Elberfelder Übersetzung liest sich so: »Und Babel soll zum Steinhaufen, zur Wohnung der Schakale, zum Entsetzen und zum Gezisch werden, ohne Bewohner« (Jeremia 51,37).

Vielleicht will der Grundtext eindrücklich schildern, wie urzeitliche Reptilien die zerstörte Stadt Babylon beherrschen: »Babel wurde zu einer Ruine, zu einer Behausung von Drachen, die mit ihrem Gezisch Entsetzen verbreiten und alle Menschen vertrieben haben.«

Es gibt einige Stellen, in denen durchaus Drachen als wirkliche Wesen gemeint sein könnten, zum Beispiel: »Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten« (Psalm 91,13).

In Jesaja 30,6 ist gar von »feurigen fliegenden Drachen« die Rede.

Auf eine andere spannende Begebenheit treffen wir in Ägypten: Der Stab Mose verwandelt sich am Dornbusch in eine »Schlange« (2. Mose 4,3). Bei der Auseinandersetzung mit dem Pharao heißt es wieder: »Und Aaron warf seinen Stab hin vor dem Pharao und vor seinen Großen und er ward zur Schlange« (2. Mose 7,10). Allerdings verwendet hier der hebräische Grundtext ein anderes Wort: »Drache«.

Behemot und Leviathan

Angsteinflößende Tiere werden, wie bereits erwähnt, auch im Buch Hiob beschrieben: Behemot und Leviathan. Nach den kulturellen Gegebenheiten zu urteilen wird die im Buch Hiob beschriebene Welt meist in die Zeit der Erzväter eingeordnet.

Das Wort »Behemot« kommt in der Bibel eigentlich öfter vor. Es ist die Mehrzahl von »Tier« oder »Vieh«. In Hiob 40,15 wird das Wort allerdings als »Intensivplural« verwendet, der die Besonderheit und Größe eines einzigen Tieres hervorhebt. Wörtlich bedeutet »Behemot« daher »gewaltiges Tier« oder »das (ultimative) Tier«. Es wird in den dann folgenden Versen sehr genau beschrieben und manches deutet darauf hin, dass es sich nicht um ein Nilpferd – wie in den meisten Übersetzungen angegeben – handeln kann: Zwar wird der Behemot als Pflanzenfresser beschrieben, doch seine Kraft und Stärke sind immens. »Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder« (Hiob 40,17 Lutherübersetzung) – ein Hauptargument gegen das Nilpferd –, er scheint groß und kräftig gebaut und wenn er in den Sümpfen liegt, können ihm weder Wassermassen noch Feinde irgendetwas anhaben. Es hat Vermutungen gegeben, dass es sich hier um einen Saurier handeln könnte, vielleicht um ein Iguanodon. Da Behemot als »das erste der Werke Gottes« (Hiob 40,19 Lutherübersetzung) bezeichnet wird, könnte er aber auch einer der ganz großen Saurier gewesen sein, ein Brachiosaurus oder Diplodocus.

In den weiteren Versen (Hiob 40,25–41,26) folgt eine ausführliche Beschreibung des Leviathan, der noch weitaus gefährlicher zu sein scheint. Er ist unbezwingbar, mächtig gepanzert und hat bedrohliche Zähne. Das Erstaunliche: Er kann Feuer speien. »Sein Niesen strahlt Licht aus, und seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte. Aus seinem Rachen schießen Fackeln, sprühen feurige Funken hervor. Aus seinen Nüstern fährt Rauch wie aus einem angefachten und glühenden Kochtopf. Sein Atem entzündet Kohlen, und eine Flamme fährt aus seinem Rachen.« (Hiob 41,10-13) – der Leviathan erscheint hier wie eine Kreuzung aus Tyrannosaurus Rex und einer mittelalterlichen Drachengestalt. Fred Hartmann stellte die Vermutung auf, dass Parasaurolophus mit dem Leviathan gleichzusetzen sein könnte, denn dieser Saurier besitzt einen Knochenkamm mit unbekannter Funktion – konnte er mit diesem Organ ein explosives Chemiegemisch herstellen, das er ähnlich wie der Bombardierkäfer auf einen Gegner schleuderte?

Handelt es sich bei Behemot und Leviathan wirklich um Sagengestalten? Oder hat es sie tatsächlich gegeben? Gott selber spricht von ihnen in seiner sogenannten »Zweiten Rede aus dem Wettersturm«. Anhand dieser Tiere führt er Hiob die Größe und Gewalt seiner Schöpfung vor Augen. Würde er das durch einen Vergleich mit erfundenen Geschöpfen tun? Nein. Diesen Tieren muss Hiob leibhaftig begegnet sein, sonst wäre jeder Vergleich nutzlos. Diese Tiere muss es zu Hiobs Zeit gegeben haben und sie waren etwas anderes als Nilpferde und Krokodile.

Die Drachen Babylons

Noch einmal zurück nach Babylon: Die im Berliner Pergamonmuseum ausgestellten Gebäude aus Babylon zeigen Darstellungen von Löwen, Auerochsen und – Drachen. Löwen hat es in Babylon mit Sicherheit gegeben: Wir kennen die Geschichte von Daniel in der Löwengrube und auch in Vers 38 des erwähnten 51. Jeremiakapitels werden Löwen erwähnt.

Der deutsche Archäologe Robert Koldewey, der 1902 das Ischtar-Tor entdeckte, zog in Erwägung, dass der Drache die Darstellung eines echten Tieres war. Über mehrere Jahrhunderte seien diese Abbildungen in der babylonischen Kunst konsistent geblieben, während mythologische Wesen sich teilweise drastisch gewandelt hätten. Außerdem legte die Darstellung neben wirklichen Tieren wie dem Löwen und dem Auerochsen für ihn nahe, dass der Drache eine Kreatur war, die die Babylonier tatsächlich kannten. Noch 1918 betrachtete er den Dinosaurier Iguanodon als mögliches Gegenstück aus der Urzeitforschung.

Hat es also zu biblischen Zeiten, um 600 v.Chr., in Babylon noch Drachen gegeben? Waren diese tatsächlich Dinosaurier?

Auf einem babylonischen Siegelabdruck sind Wesen dargestellt, die in der Wissenschaft als »Schlangenlöwen« bezeichnet werden. Sie erinnern allerdings stark an langhalsige Sauropoden wie den Diplodocus.

In den apokryphen »Stücken zu Daniel« gibt es einen weiteren Hinweis: »Es gab da auch einen großen Drachen, den die Babylonier wie einen Gott verehrten. Und der König sagte zu Daniel: Wie? Willst du von dem auch behaupten, dass er nichts als ein eherner Götze ist? Siehe, er lebt ja, denn er isst und trinkt, und du kannst nicht behaupten, dass er kein lebendiger Gott ist. Darum bete ihn an! Aber Daniel antwortete: Ich will den Herrn, meinen Gott, anbeten; denn er ist der lebendige Gott. Du aber, mein König, erlaube es mir, dann will ich diesen Drachen umbringen ohne Schwert und Spieß. Und der König sagte: Ja, es sei dir erlaubt. Da nahm Daniel Pech, Fett und Haare und kochte es zusammen, machte Fladen daraus und warf sie dem Drachen ins Maul; und der Drache barst davon mitten entzwei. Und Daniel sagte: Seht, das sind eure Götter! (Stücke zu Daniel 2,22–26).

Übrigens eigneten sich die babylonischen Drachen nach zeitgenössischen Beschreibungen gut als Torwächter, da sie Feinde mit tödlichem Gift bespritzen konnten. Vielleicht gehörten »schreckliche Echsen« ebenso zu den Kreaturen, die man in Babylon gehalten hat, wie Löwen und Auerochsen. Haben die Drachen, die auf der Prozessionsstraße dargestellt und im apokryphen Danielbuch erwähnt werden, nach der Zerstörung Babylons die Oberhand gewonnen? Die Ruinen Babylons könnten so tatsächlich zum Drachennest geworden sein und kein Mensch konnte sich mehr dorthin wagen.

Das alles bleibt spekulativ, aber ist es nicht zu dogmatisch, ein solches Szenario auszuschließen, nur weil nach evolutionistischer Weltsicht Dinosaurier ausgestorben sind, Jahrmillionen bevor der Mensch die Bühne der Geschichte betreten haben soll?

Gibt es heute noch Drachen?

Nessie ist sicherlich das bekannteste Beispiel dafür, dass manche Menschen vermuten, Dinosaurier könnten bis in die heutige Zeit hinein überlebt haben. Das Gegenargument auch hier: »Loch Ness entstand im Zuge der jüngsten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren. Wäre Nessie ein Plesiosaurier, hätte das Tier demzufolge rund 65,488 Millionen Jahre ausharren müssen, bevor es im See abtauchen konnte.«

Manche Forscher, die sich mit mysteriösen Lebensformen befassen (sogenannte Kryptozoologen), vermuten in den Tiefen des afrikanischen Dschungels ein Wesen namens »Mokele Mbembe«. In der Sprache der Eingeborenen bedeutet dies: »Der den Lauf des Flusses stoppt«. »Wenn den Einheimischen Bilder von [rekonstruierten] lebenden prähistorischen Tieren gezeigt wurden, haben sie den Sauropoden als den Mokele-mbembe identifiziert.«

Skulpturen, Darstellungen und Legenden von Drachen und dinosaurierähnlichen Wesen kommen in den Kulturen aller Kontinente vor. Interessanterweise umfasst der chinesische Tierkreiskalender zwölf Tiere, von denen elf unbestritten wirklich existieren. Sollte mit dem Drachen als Ausnahme gerade ein Wesen darunter sein, das der Mensch frei erfunden hat? Der Fachausdruck für Dinosaurier in chinesischer Sprache ist »Kong Long«, »Schrecklicher Drache«.

Die »wissenschaftliche« Erklärung

Es ist nicht besonders wahrscheinlich, dass es heute noch Dinosaurier gibt, aber auch nicht ausgeschlossen. Wenn wir die biblische Chronologie heranziehen, die offensichtlich keine Jahrmillionen kennt und von Anfang an die Existenz von Menschen voraussetzt, so scheint es jedenfalls denkbar, dass sich Menschen und Dinosaurier – Drachen – in der Vergangenheit wahrhaftig begegnet sind. Diese Vorstellung ist möglicherweise überzeugender als die Erklärung eines Carl Sagan, der erkannt hat, dass die Ähnlichkeit zwischen Drachen und Dinosauriern kein Zufall sein kann.

Er schreibt: »Ist es möglich, dass die Reptilien für unsere frühmenschlichen Vorfahren vor etlichen Millionen Jahren ein großes Problem waren und dass der Schrecken, den sie erregten, und die Todesfälle, die sie verursachten, mit zur Evolution der menschlichen Intelligenz beitrugen?«

Sagan mutmaßt weiter: »Wir stammen sowohl von Reptilien als auch von Säugetieren ab. […] im nächtlichen Treiben der Traumdrachen spielt vielleicht jeder von uns noch einmal den hundert Millionen Jahre alten Krieg zwischen Reptilien und Säugetieren nach.«

Seine Erklärung ist, dass traumatische Erlebnisse unserer Vorfahren (die allerdings nach heutiger Lehrmeinung zu jener Zeit noch nagetierähnliche Vorprimaten gewesen sein sollen – Primaten sollen erst vor ca. 55 Millionen Jahren entstanden sein) unsere Angst vor Ungeheuern und die Vorstellung von Drachen in allen Kulturen verursacht haben: »Man kann die Reptilien zischeln und rascheln hören, und die Dinosaurier toben noch immer.«

Diese Folgerungen hören sich recht abenteuerlich an und Darek Isaacs kommentiert trocken: »Die Erinnerungen, die genetisch vererbt worden sind, müssen logischerweise von den Kreaturen stammen, die nicht von den Dinosauriern umgebracht worden sind. Denn die getöteten Opfer hatten überhaupt keine Gelegenheit mehr, Nachwuchs zu bekommen, dem sie ihr dramatisches Erlebnis hätten vererben können.«

Nach biblischem Weltbild ist die Interpretation einfacher und einleuchtender: Wenn Gott die Menschen am sechsten Schöpfungstag erschaffen hat, dann können sie sich selbstverständlich an alle Wesen erinnern, die sonst noch existiert haben. Und weil Noah »von allen kriechenden Tieren des Erdbodens« (1. Mose 6,20) ein Paar mit an Bord der Arche nahm, haben die Saurier sicherlich auch die Sintflut überlebt, um später Hiob und den Augenzeugen der Geschichte zu begegnen.

© 2017, aktualisierte Fassung aus zwei Artikeln (erschienen im Magazin »Ethos« und in meinem Buch »Das Rätsel der Arche Noah«), als PDF erhältlich auf der Website www.noahsark.site.

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