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In den letzten Wochen hatten wir es immer wieder mit »Puzzlestücken« zu tun. In der Archäologie ist es oft wie bei einem Puzzlespiel – mit dem Unterschied, dass viele – manchmal die meisten – Teile unwiederbringlich verloren sind.

Rund 80 Kinder kamen zum Auftakt der Sommerferien am 31. Juli zur 16. Sulzer Kreativwerkstatt auf das Freizeitgelände Braunjörgen. In einem der fünf Workshops ging es zurück in die Zeit Abrahams: Mit Knete und Holzplättchen übten sich die Kinder in der Keilschrift und entdeckten, wie der eigene Name aussieht, wenn man ihn in Silben zerlegt und in die älteste Schrift der Welt überträgt. Viele alte Tontafeln und Fels-Inschriften sind zerbrochen oder zerstört – und bleiben rätselhaft.
Nicht nur die älteste Schrift der Welt war unser Thema, sondern auch das älteste Spiel. Seine Bestandteile wurden vor rund hundert Jahren bei Ausgrabungen in den Königsgräbern der Stadt Ur gefunden. Die Regeln kennen wir heute aber nur deshalb, weil ein Babylonier sie um 177 v. Chr. auf eine Tontafel geschrieben hat, die im Britischen Museum liegt. Der Keilschrift-Experte Irving Finkel hat diese Regeln entziffert und so wichtige Puzzleteile zusammengefügt: Heute können wir das »Königliche Spiel von Ur« wieder spielen!
Rückblick, Video und Materialien zum Workshop

Letztes Jahr im Oktober war ich an der Universität Sirnak und habe einen Vortrag über den arabischen Universalhistoriker Ali ibn al-Athir (1160–1233) gehalten. Mehrere Monate später ist der Proceedings-Band des Symposiums erschienen. Die überwiegend türkischen Artikel habe ich mithilfe von KI-Werkzeugen ausgewertet – und dabei ein spannendes Puzzlestück gefunden.
Was in den englischen und deutschen Übersetzungen fehlt, steht im arabischen Original, das mit modernen digitalen Werkzeugen zugänglich gemacht werden konnte: In seiner Weltchronik hält Ibn al-Athir ausdrücklich fest, dass die Arche auf »einem Berg in Qarda im Land von Mosul« landete – und dass Noah seine erste Siedlung in »Thamanin« gründete. Damit benennt eine der wichtigsten Geschichtsdarstellungen des Mittelalters den Landeplatz geografisch so eindeutig, wie man es sich nur wünschen kann. Gemeint ist der Cudi Dagh im Südosten der Türkei – ein neues Puzzlestück, das diese Identifikation bestätigt.
Zum Beitrag über Ibn al-Athir und die Arche Noah

Vor wenigen Tagen war ich auf dem jüdischen Friedhof in Baisingen, um einem Puzzlestück (in doppeltem Sinne) für meine Predigt am kommenden Sonntag – dem Israelsonntag – nachzuspüren. Denn auf einem älteren Foto von mir fand ich ein Porzellanmedaillon mit einem Porträtfoto abgebildet, es ist zerbrochen, Teile des Gesichts einer Frau fehlen für immer. Ich wollte sehen, wie der Zustand inzwischen ist. Es hatte sich nichts verändert, aber auf der Erde unter dem Grabstein lag eine der herausgebrochenen Scherben, ich habe sie aufgehoben.
Beim Grab ihres Mannes ist vom Bild überhaupt nichts mehr da, auch dort lagen Scherben im Dreck. Weil weitere alte Fotos mehr zeigen als den heutigen Zustand, lässt sich manches rekonstruieren – aber nicht alles. Die Namen des Ehepaars konnte ich herausfinden: Rebeka und Veit Marx.
Puzzlestücke aus Porzellan, Bruchstücke der Erinnerung. Um Erinnerung wird es in meiner Predigt gehen. Um ein Zitat aus der chassidischen Tradition, das mich seit einiger Zeit immer wieder beschäftigt und das mir für die Arbeit mit Papierblatt neue Impulse gegeben hat: »Vergessen ist Verbannung, Erinnerung ist Erlösung.«
Vor einigen Monaten ist das Buch »Gedenken neu denken« von Susanne Siegert erschienen. Was heißt »Gedenken neu denken« eigentlich für uns als Christen? Die Zeugen sterben: Seit meinem Besuch in Israel im Oktober sind Sara Atzmon und Mirjam Rosen gestorben, die ich beide dort getroffen habe. Wie erinnern wir ohne die Zeitzeugen? Und wie kann ihr Andenken ein Segen sein – so wie es im Judentum traditionell beim Tod einer Person gewünscht wird?
Besuchen Sie den Gottesdienst am kommenden Israelsonntag, dem 9. August um 10 Uhr in der Michaelskirche in Sulz am Eck – oder verfolgen Sie ihn im Livestream.

Der Monatsspruch für August steht in Johannes 10,10: »Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.« – Das ist der Gegenentwurf zu allem Stückwerk, das wir in unseren Projekten tun. Wir sammeln Scherben, Sätze und Namen, wir setzen zusammen, was zusammengesetzt werden kann. Und wir sind uns bewusst, dass Teile verloren sind. Nicht alles Wissen kann bewahrt werden.
Beim Schäferlauf in Wildberg ist das Leistungshüten in diesem Jahr ausgefallen. Trotzdem konnte man beim Schauhüten sehen, welche besonderen Fähigkeiten ein Schäfer hat, der seine Herde mit den Hunden hütet und auf dem rechten Weg leitet. Der Monatsspruch kommt aus einem bekannten Kapitel, das Jesus als den guten Hirten beschreibt. Er gibt das Leben in Fülle – dankbar möchte ich das persönlich annehmen, und auch wir als gemeinnützige Firma. Danke, wenn Sie uns verbunden bleiben.
Gedanken zum Monatsspruch: Der gute Hirte, Fülle und Freiheit
6.8.2026, Timo Roller, Geschäftsführer
Der Schäferlauf in Wildberg steht vor der Tür! Ein Jahr nach unserer Filmpremiere kann man vom 17. bis 20. Juli das traditionsreiche Fest wieder live erleben. Gerade rechtzeitig zur Einstimmung ist vor wenigen Tagen der Film »Schäferlauf300plus – Ein Fest für Generationen« auf dem YouTube-Kanal der Stadt Wildberg freigeschaltet worden.

Das nächste heimatgeschichtliche MORIJA-Projekt ist ab dem Tag des offenen Denkmals geplant, dem 13. September 2026: Wir werden dann im Wildberger Heimatmuseum die Sonderausstellung »Archäologie im Grenzbereich« eröffnen. Die Ausstellung bringt mit exklusiven archäologischen Fundstücken bislang verborgene Facetten unserer Vergangenheit ans Licht. Unterstützen Sie uns gerne bei diesem gemeinnützigen Projekt, die Finanzierung ist noch nicht vollständig gesichert. Unser Spendenkonto finden Sie auf der Seite »Kontakt / Impressum«
Ebenfalls am Tag des offenen Denkmals gibt es in Sulz am Eck einen Vortrag mit Gabriel Stängle über Aspekte aus der Zeit des Nationalsozialismus. Weitere Details sowie Hinweise auf einige weitere Veranstaltungen im Herbst folgen demnächst. Ich selbst werde am Israelsonntag – dem 9. August – in Sulz am Eck wieder die Predigt halten dürfen. Das Thema: »Vergessen ist Verbannung, Erinnerung ist Erlösung.«
Unser Geschichtsband »Der Kreis Calw in der Zeit des Nationalsozialismus« hat seit seinem Erscheinen vor einem Jahr viel Aufmerksamkeit geweckt und sich erfreulicherweise auch gut verkauft. Wie wichtig Zeugnisse der Schoa-Überlebenden sind, wurde uns wieder neu bewusst, als wir vor wenigen Wochen vom Tod von Sara Atzmon erfuhren. Möge ihr Andenken ein Segen sein. Wir sind sehr dankbar, dass sie das Erscheinen der deutschen Übersetzung ihres Buches »Und ich habe doch gesiegt!« noch erleben konnte und dass ich ihr im Oktober persönlich begegnen durfte. Dem israelischen Staatspräsidenten Jizchak Herzog, von dem ich zusammen mit einer Delegation von Zedakah e.V. und dem Papierblatt-Projekt zwei Tage später in Jerusalem empfangen wurde, konnte ich ein hebräisches und ein deutsches Exemplar mit herzlichen Grüßen von Sara überreichen.

Wenn alles nach Plan läuft, werden 2026 zwei weitere wichtige Bände in der »Edition Papierblatt« erscheinen. Die Manuskripte sind fertig und befinden sich im Layout. Dr. Fredy Kahn erzählt von seiner jüdisch-schwäbischen Familiengeschichte, die 11 Generationen umfasst. Sein Vater Harry Kahn war in der Region Nordschwarzwald als Viehhändler sehr bekannt. Er überlebte mehrere Konzentrationslager und ist danach trotz mancher Widerstände in seiner alten Heimat geblieben.
Im zweiten Buch hat der Historiker Martin Frieß die Geschichte von Fritz à Wengen und seinen Rüstungsbetrieben aus Originalakten rekonstruiert. Dieses Buch entsteht in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Calw und wird ein beklemmendes Licht auf die Ereignisse während des Zweiten Weltkriegs im Nagoldtal werfen. Es bietet eine differenzierte historische Aufarbeitung mit durchaus überraschenden Erkenntnissen über die Wahrung von Menschlichkeit gegenüber vielen hundert Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern.
Wie schon mit »Der Kreis Calw in der Zeit des Nationalsozialismus« gehen wir auch mit den zukünftigen Buchproduktionen ein erhebliches finanzielles Risiko ein. Trotz allem ehrenamtlichen Engagement müssen die Druckkosten vorgestreckt werden – und der Buchhandel ist kein einfaches Pflaster. Umso dankbarer sind wir, wenn Sie ggf. schon vorab Interesse an den Veröffentlichungen zeigen, unsere Veranstaltungen im Herbst besuchen (darüber demnächst mehr) oder unsere Arbeit mit einer Spende unterstützen. Sind Sie an einer besonderen Buchpatenschaft interessiert? Dann melden Sie sich gerne! Auch für Unterstützung unserer Internetplattform www.papierblatt.de sind wir sehr dankbar. In den letzten Wochen kamen einige Erweiterungen und neue Zeitzeugenberichte hinzu, weitere warten nach wie vor auf ihre Bearbeitung.
Soweit es die begrenzte Zeit zulässt, arbeite ich im Moment an vier Dingen:
1. Die Aufarbeitung der Reisen nach Sirnak und Jerusalem im letzten Jahr. Es gibt viele Erkenntnisse, Texte, Fotos und Videos, die auf ihre Verarbeitung und Veröffentlichung warten. Das Paper zum Al-Athir-Symposium ist inzwischen in der englischen Originalversion auf bibelabenteurer.de und auf academia.edu zu finden. Die erweiterte deutsche Version ist noch nicht ganz fertig.

2. Ich werde als Referent an der Fachtagung Geowissenschaften am Bibelmuseum Wuppertal mitwirken und meine Forschungen am Berg Cudi in Beziehung zu Sintflut und Erdgeschichte setzen. Ein spannendes Feld, an dem ich schon vor Jahren gearbeitet habe.
3. Das Buch »Das Rätsel der Arche Noah« sowie die Multimedia-Präsentation »Erzväter« sind inzwischen (jeweils als Betaversion) auf www.bibelabenteurer.de integriert. Es wird noch einige Zeit und Mühe kosten, sie zu überarbeiten – und wenn manche Ampeln auf grün gehen, soll auch eine neue Buchversion veröffentlicht werden – dann hoffentlich im eigenen Verlag!
4. Darüber hinaus möchte ich wieder regelmäßiger Impulse posten, die ermutigen, das eigene Abenteuer mit der Bibel zu aktivieren – und wenn es nur Mikroabenteuer sind :-) Oder einfach mal einen Gedanken weitergeben, den ich zu einer Andacht oder Bibelarbeit verarbeitet habe. Wie nun aktuell zum Monatsspruch im Juli 2026 zu »Amos und der richtige Gottesdienst« – schauen Sie mal rein.

Zum Bereich Bibel und Wissenschaft gehört im weitesten Sinne auch die Arbeit an biblischen Geschichten für Kinder. Schon junge Menschen sollen erfahren, was hinter all unseren Traditionen steckt und was die Grundlagen unseres Glaubens sind. Die neue Aseba-Produktion Rut steht kurz vor der Veröffentlichung. Zwei Missionsgeschichten aus Indien sind bereits vor wenigen Monaten auf YouTube erschienen.
Ein festes Wertefundament ist in diesen Zeiten sehr wichtig, wenn vieles ins Wanken gerät. KI beschäftigt mich sehr und bringt mich immer wieder in ein inneres Spannungsfeld: Sie begeistert und beängstigt, sie erleichtert und beschwert. Darüber will ich in nächster Zeit einen etwas ausführlicheren Beitrag schreiben – vielleicht sogar mit Hilfe der KI.
Wir freuen uns auch sehr über Spenden für den Arbeitsbereich »Bibelabenteurer«.
16.7.2026, Timo Roller, Geschäftsführer