Alltag bestimmt den Alltag

Seit der Rückkehr von der kurzen, aber intensiven Reise nach Israel ist es vor allem eins, was die vergangenen zwei Wochen bestimmt hat: Alltag.

Neben der Aufarbeitung der Bilder und Informationen aus Israel gibt es vor allem zwei Web-Projekte, die zur Zeit viel Arbeit beinhalten:

Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen ist seit 1998 im Internet präsent und hat seither sehr zahlreiche Informationen zum Themenfeld Glaube und Wissenschaft veröffentlicht. Nun sind wir dabei, den Web-Auftritt auf eine neue, zeitgemäße Basis zu stellen, die auch für Mobilgeräte geeignet ist.

MORIJA unterstützt das Admin-Team von W+W dabei, die Fülle von Hunderten Einzelseiten zu übertragen und das Projekt zu koordinieren. Die erste Etappe wurde zum 25. Mai 2019 geschafft, während der W+W-Hauptkonferenz ging die neue Veranstaltungs-Seite online, die unter folgender Adresse zu erreichen ist: https://veranstaltungen.wort-und-wissen.org.

Bis zum Jahreswechsel 2019/2020 sollen die restlichen Seiten und Module fertiggestellt werden und dann wird komplett auf die neue Website umgeschaltet.

Beim fusionierten Kirchenbezirk Calw-Nagold ist die Umschaltung auf eine neue Web-Präsenz bereits erfolgt und diese wird im laufenden Betrieb ausgebaut. Hinter den Kulissen habe ich Informationen zu den 43 einzelnen Kirchengemeinden und Gemeindeverbünden zusammengestellt sowie Bildmaterial gesammelt. Der entsprechende Menüpunkt unter www.kirchenbezirk-calw-nagold.de wird demnächst online gehen.

An unserem Ort wurde in den letzten Monaten das neue CVJM-Gemeinschaftshaus gebaut, wofür MORIJA die Öffentlichkeitsarbeit koordiniert. Einladungskarten und Anschreiben für die Einweihungsfeier am 7. Juli 2019 sind im Druck und sollen demnächst verteilt werden. Auch die Website wird dementsprechend aktualisiert: www.cvjmsulz.de/gemeinschaftshaus/

Dieses ehrenamtliche Engagement geht Hand in Hand mit gelegentlichen Streicharbeiten und der Konzeption und Installation von Medientechnik im Gebäude.

Timo Roller
7.6.2019, KW2
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Vier Tage auf der Suche nach Spuren der Vergangenheit

Eine kurze und intensive Reise nach Israel liegt hinter uns: Thorsten Trautwein, Schuldekan der Kirchenbezirke Calw-Nagold und Neuenbürg, flog mit mir am vergangenen Samstagabend in Zürich los. Wichtigster Anlass des Kurztrips war der Besuch bei Mordechai Papirblat, dessen Namen wir vor einigen Jahren für unser gemeinsames Projekt gewählt hatten: »Papierblatt – Holocaust-Überlebende berichten«.

Nach Nachtflug und Zugfahrt kamen wir am Sonntag pünktlich zum Frühstück in Maalot an, wo unsere Freunde von Zedakah ein Pflegeheim für Holocaust-Überlebende betreiben.

Rachel M., eine Bewohnerin, erzählte uns und der Kamera ihr bewegendes Schicksal. Wir werden das Interview für www.papierblatt.de aufbereiten.

Danach fuhren wir nach Kapernaum, wo wir Fotos und Filmaufnahmen für ein Fortbildungsprojekt des Schuldekans machten.

Entlang des Sees Genezareth ging es zum Kibbuz Gesher: Dort lebte Mordechai Papirblat nach seiner Ankunft im heutigen Israel 1946 für ungefähr ein Jahr. Die Ruinen des ursprünglichen Kibbuz direkt am Grenzzaun zu Jordanien sowie ein unterirdischer Bunker zeugen von den Spannungen, die damals vor und nach der Staatsgründung das Leben und die Existenz der Neuankömmlinge bedrohten. Im Archiv am heutigen Standort des Kibbuz forschten wir nach Bildern und Informationen – und tatsächlich fand sich die Registrierungskarte Mordechai Papirblats mit Foto in einer alten Holzbox.

Zurück in Maalot, wegen Straßensperrung am Berg Tabor vorbei, freute ich mich nach 37 Stunden wieder mal auf ein richtiges Bett.

Am Montag fuhren Gideon Bayer zusammen mit Thorsten und mir nach Süden, zum eigentlichen Anlass der Reise: Einem Besuch bei Mordechai Papirblat.

Zwischenstop machten wir in Atlit, dem Auffanglager, in dem er nach seiner Ankunft im damals britischen Mandatsgebiet zunächst als »illegaler Einwanderer« festgehalten wurde. Wenige Monate nach dem Holocaust erlebte er erneut ein Leben hinter Stacheldraht, mit Sammelduschen und Desinfektionsanlagen. Die Baracken waren allerdings relativ bequem eingerichet, man hatte persönliche Gegenständen und keine ständige Angst vor dem Tod wie in den deutschen KZs.

Im Gespräch mit einer Verantwortlichen der heute für Besucher offenen Gedenkstätte bekamen wir Einblicke in die Fluchtbewegungen der Juden aus Europa, Thorsten Trautwein forschte weiter, während ich unter Zeitdruck noch etliche Bilder vom Lager machte.

Mit einer halben Stunde Verspätung kamen wir in Ramat Gan an und wurden von Mordechai und seinem Sohn Zvi Papirblat herzlich empfangen. 4,5 Stunden lang dauerte der Besuch und die Zeit verging wie im Flug. Thorsten, der sich intensiv mit der Lebensgeschichte Mordechais befasst hatte, stellte viele Fragen über die Zeit vor und nach dem Krieg. Über die Details also, die normalerweise in den Lebensberichten (siehe hier und hier) nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Beeindruckend, an wieviele Details sich der 96-Jährige noch erinnern kann. »Es gedenkt mir noch«, sagte er immer wieder in seinem besonderen Deutsch-Jiddisch. Meist konnten wir uns sehr gut mit ihm direkt unterhalten, nur hin und wieder erklärte ihm Gideon Bayer die Fragen auf Hebräisch.

Zvi gab Einblicke in die Familiengeschichte – eine sehr kleine Familie, ohne Onkel, Tanten, Nichten, Neffen. Denn Mordechai war der einzige aus seiner ganzen Verwandtschaft, der den Holocaust überlebt hat. Und der einzige, der nach dem Zweiten Weltkrieg noch diesen besonderen Namen trug: »Papirblat«. Mein Name ist ein Denkmal, pflegt er zu sagen. Mittlerweile ist die Papirblat-Familie gewachsen: Mordechai hat zwei Söhne, drei Enkel und seit kurzem sogar zwei Urenkel!

Trotz der langen Zeit, die wir bei Papirblats waren, hatten wir den Eindruck, es würde noch unglaublich viel zu erfahren geben. Mordechai und Zvi waren gerne bereit, sich mit uns noch einmal für den darauffolgenden Abend zu einem weiteren Besuch zu verabreden.

Thorsten und ich ließen den Tag im malerischen Sarona-Viertel ausklingen, einer ehemaligen Templer-Kolonie. Dort aßen wir neben einem Mc Donalds und zwischen vielen Hochhäusern leckeres Fladenbrot mit Humus.

Am Dienstag ging es früh los, über die neue Zugverbindung hinauf nach Jerusalem, dann um die Altstadt herum mit dem Bus zur Davidstadt, dorthin wo in Israel alles begann.

Schnell Eintritt bezahlt, die nötige Ausrüstung in die Taschen gesteckt und den Rest ins Schließfach. Dann ohne weitere Verzögerung zum Eingang des unterirdischen Bereichs und zügig zum Hiskiatunnel. Als allererste waren wir dort und hatten im Tunnel genügend Zeit für ein paar Nachuntersuchungen: Ein Blindstollen, der Zusammenschluss in der Mitte des Tunnels, ein Schacht am Ende, der Ausgangsbereich: Hier hatten wir – quasi im Auftrag von Ulrich Romberg (siehe »Expedition mit Tunnelblick«) – noch ein paar Messungen und Untersuchungen an den Wänden vorzunehmen: Spuren der Werkzeuge, Kalkausblühungen, Putzreste. Einige neue Beobachtungen und Bilder – zum Teil nur mit UV-Licht fotografiert – werden in nächstet Zeit zu verwerten sein.

Nach dem Ausstieg aus dem Tunnel ging es wieder hinauf zum Eingang, um unser Gepäck zu holen. Auf einen zweiten Durchgang durch den Warrenschacht, bei dem wir durch den (trockenen) Kanal 2 hindurch wollten, verzichteten wir wegen des inzwischen sehr groß gewordenen Andrangs. Wir stiegen außerhalb die Treppe hinab zum Quellgebäude und dann durch das Kidrontal hinunter zum Siloahteich. Von dort dann durch den Entwässerungskanal aus der Zeit Jesu hinauf Richtung Altstadt.

Wir schlenderten zur Klagemauer, dann durch das muslimische Viertel: von einer Treppe aus ein kurzer Blick zum Felsendom, weiter ließen uns die schwerbewaffneten Polizisten an dieser Stelle nicht. Durch den Shuk querten wir die Via Dolorosa, bevor wir die Altstadt durch das Damaskustor verließen.

Pünktlich kamen wir mit der neuen Straßenbahn an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem an, wo wir um 14.30 Uhr einen Termin mit einer deutschen Mitarbeiterin im European Department hatten. Wir tauschten uns aus über Holocaust-Didaktik und gewannen wertvolle Erfahrungen aus der Arbeit in dieser bemerkenswerten Einrichtung. Es blieb dann noch kurz Zeit für den Besuch der Ausstellung, der Kinder-Gedenkstätte, des Kunstmuseums und der »Allee der Gerechten«.

Schon mussten wir uns auf den Rückweg nach Tel Aviv machen, wo wir am Abend ein weiteres Mal Mordechai Papirblat besuchen konnten. Zu einigen Details hatte Thorsten noch weitere Fragen aufgeschrieben, die der alte Mann geduldig und mit wachem Geist beantwortete. Diesmal hielten wir den Besuch natürlich kürzer, nach etwas mehr als einer Stunde verabschiedeten wir uns endgültig.

Den letzten halben Tag am Mittwochvormittag nutzten wir zu einer Ausfahrt an den Strand und einem Spaziergang nach Jaffa, wo ich selbst noch nie war. Erst nun, während meines neunten Aufenthalts in Israel, besuchte ich die alte Hafenstadt, von wo Jona auf einem Schiff Richtung Tarsis floh, um Gottes Auftrag zu entkommen. Ein Brunnen erinnert an den großen Fisch, der ihn verschluckte und wieder an Land spuckte. Aus frischgepressten Jaffa-Orangen trank ich quasi am Originalschauplatz den besten Orangensaft meines Lebens.

Und dann, nach der Mittagszeit, verließen wir schwitzend das heiße Israel und flogen zurück in die deutlich kühlere Heimat.

Nächste Woche in Jerusalem

Am kommenden Samstagabend starten wir zu zweit, Schuldekan und Papierblatt-Projektpartner Thorsten Trautwein und ich, zu einem Kurztrip nach Israel. Wenn wir am Sonntag in aller Frühe landen, werden sich wohl die After-Show-Partys des Eurovision-Songcontests in Tel Aviv schon dem Ende zuneigen und wir werden auch gleich weiter in den Norden reisen.

In Maalot besuchen wir das Altenpflegeheim für Holocaust-Überlebende von Zedakah. Am Montag geht es dann schon wieder Richtung Tel Aviv, wo wir einige Orte besuchen, die mit dem Leben von Mordechai Papirblat zu tun haben, dem Auschwitz-Überlebenden, nach dem wir unser Projekt benannt haben. Auch ihn selber werden wir besuchen.

Am Dienstag geht es dann mit der neuen Bahnverbindung nach Jerusalem, vormittags sind einige weitere Forschungen in der Davidstadt geplant, am Nachmittag haben wir einen Termin in der Gedenkstätte Yad Vashem.

Und am Mittwoch werden wir bereits wieder die Heimreise antreten.

Auf Facebook werde ich hin und wieder berichten, hier auf dieser Seite dann erst am Ende der Reise. Wer etwas mehr Informationen möchte, kann sich gerne mit seiner Handynummer bei mir melden, es gibt eine WhatsApp-Gruppe mit den aktuellsten Infos von der Reise.

Timo Roller
14.5.2019, KW20

Papierblatt-Weiterentwicklung

Foto: Roland Mayer, vielen Dank!

Am 1. Mai habe ich mit einem kleinen Infostand bei Israel-Freundestreffen bei Zedakah in Maisenbach unser gemeinsames Projekt »Papierblatt – Holocaust-Überlebende berichten« vorgestellt. Den Zeitzeugenbericht von Ben Zion Sela habe ich am Nachmittag aufgenommen und er soll demnächst unserem Videoarchiv hinzugefügt werden. Auch darüber hinaus standen die letzten beiden Wochen im Zeichen des Projekts: die weitere Strategie, technische Überlegungen und Reiseplanungen standen auf dem Programm.

Daneben wurden einige Webprojekte weiterentwickelt, z.B. ist die Homepage www.im-wachsen.de nun bereit für die neue Saison in der Wachsenden Kirche in Nagold.

Gottverlassen?

Am Tag vor Karfreitag steht mir dieses Jahr, einen Monat nach dem Besuch in Auschwitz, die Theodizee-Frage besonders vor Augen: die Frage, warum ein allmächtiger Gott Leid zulässt. Sie hat viele Christen im Lauf der Kirchengeschichte beschäftigt. Viele Atheisten schlussfolgern: Gott existiert nicht. – Warum scheint diese Welt manchmal so von Gott verlassen?

Die Asche der Opfer von Auschwitz wurde hinten in den Wäldern verteilt, Gruben und Teiche wurden aufgefüllt. Manchmal verbrannte man Leichen unter freiem Himmel, wenn die Kapazität der Krematorien nicht ausreichte. Es gibt einige wenige illegal gemachte Fotos davon. Und dort, ganz hinten, waren während unseres Besuchs die Pfützen auf den Wiesen immer noch gefroren, obwohl es in den letzten Tage gar nicht so kalt gewesen war. Hier scheint der kälteste Ort auf Erden zu sein. Wo war Gott in Auschwitz?

Ein Theologe hat kürzlich in einem Vortrag über die Sintflut gesprochen. Er hat Gott quasi Völkermord vorgeworfen. Wo war Gott, als unschuldige Menschen starben? Oder ganz aktuell: Eine der wichtigsten Kirchen der Welt steht in Flammen. Notre Dame, mitten in Paris, mitten in Europa. Wo war Gott?

Morgen ist Karfreitag: »Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!« schrie Jesus am Kreuz. Wo war Gott auf Golgatha? Hat er seinen Sohn verlassen?

Auch wenn sich die Frage nach dem Warum wohl nicht lösen lässt, lüftet das Buch Hiob ein wenig den Blick »hinter die Kulissen«: Gott lässt sich auf ein »Experiment« mit dem Satan ein. Er lässt zu, dass Hiob Leid widerfährt. Hiob selbst bekommt diese Erklärung allerdings nicht. Gott fragt ihn nur: »Willst du mein Urteil zunichtemachen und mich schuldig sprechen, dass du recht behältst?« Gott zeigt ihm: Ich bin größer. Und schenkt ihm dann einen Neuanfang.

Einen ähnlichen Perspektivwechsel verdeutlichen auch diese Verse: »Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.« (Jesaja 55,8–9)

»Hinter den Kulissen« beweist Gott dem Bösen, dass Hiob am Glauben festhält. Mit Noah überlebt ein Gehorsamer die Katastrophe. Das Unheil, das Böse siegen nicht endgültig. Ein Foto aus dem Innern der zerstörten Kathedrale Notre Dame zeigt das Kreuz, das heil geblieben ist. Gottes Gnade hat den längeren Atem.

Während unseres Besuchs sahen wir in Auschwitz junge Menschen aus Israel, die auf ihren blau-weißen Flaggen stolz den Davidstern trugen, zuvor Zeichen der Ausgrenzung in Nazideutschland. Das Böse hat nicht gesiegt. Das Volk Israel lebt und ist – ganz wie der Prophet Hesekiel andeutet – aus dem Totenfeld auferstanden: »Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israels.« (Hesekiel 37,12) – Die Israel-Flaggen haben mich zutiefst bewegt, ich habe sie als Zeichen der Hoffnung verstanden.

Und wir haben in Auschwitz auch einen Regenbogen erlebt. Das Zeichen Gottes für den Neuanfang über der Arche. An Karfreitag wissen wir: Es steht wieder ein Neuanfang bevor. Das Grab ist an Ostern leer. Der Tod ist überwunden. Gott ist nicht weggeblieben, nie weggewesen. Das ist die Botschaft von Ostern: Die Gottverlassenheit hat ein Ende!

Vorträge und Webseiten

Zwei Vorträge standen in den letzten Tagen auf dem Programm: In Schwaigern bei Heilbronn sprach ich über die Frage: »Kann man der Bibel glauben?« – Neben auch kritischen Rückfragen war es ein wertvoller Abend mit hoffentlich ermutigten Männern.

In Effringen, wo ich aufgewachsen bin, gab es einen etwas außergewöhnlichen Bildervortrag mit dem Titel: »Was haben Wildberger Grenzsteine mit der Arche Noah zu tun?« – Die Vorstellung meiner Arbeit durch die Verknüpfung von bibelarchäologischer und heimatgeschichtlicher Forschung funktioniert natürlich nur in unserer unmittelbaren Region und wurde von den Anwesenden sehr interessiert aufgenommen.

Für mehrere Projekte sind gerade zahlreiche Webseiten durchzuarbeiten und zu überprüfen. Dafür verwende ich einen großen Teil meines momentanen Zeitbudgets.

Hinweisen möchte ich noch auf den Israel-Freundestag von Zedakah e.V. in Maisenbach am 1. Mai mit dem Holocaust-Überlebenden Benjamin Sela und dem Journalisten Johannes Gerloff.

Timo Roller
13.4.2019, KW15

Papierblatt, Männerabend und andere Baustellen …

Viele Projekte laufen im Moment parallel und so gibt es diese Woche nur wenige konkrete Ergebnisse. Wir arbeiten z.B. mit Hochdruck am Relaunch zweier Webauftritte.

Am Montag hatten wir ein Arbeitstreffen des Papierblatt-Projektteams. Es geht an vielen Stellen weiter, Material wird nach und nach der Website www.papierblatt.de hinzugefügt. Aktuell gibt es vorab den Artikel »Auschwitz: Zeichen der Hoffnung am schrecklichsten Ort« online zu lesen, der demnächst auch im Schwarzwälder Boten erscheinen wird. Auch die Vorbereitungen für den 1. Mai sind bereits angelaufen, wenn bei unserem Projektpartner ZEDAKAH e.V. das jährliche Freundestreffen stattfinden wird. Es wird neben weiteren Rednern ein Holocaust-Überlebender sprechen. Auch dieses Zeugnis werden wir für Papierblatt dokumentieren.

Heute Abend werde ich beim Männerabend in Schwaigern bei Heilbronn als Referent zu Gast sein. Das Thema heißt: »Kann man der Bibel glauben?«. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Falltorstraße 4, falls das für jemanden erreichbar ist.

Timo Roller
6.4.2019, KW14

Anno 1346 …

Zum »Tag des offenen Denkmals« im September 2017 hatten wir eine Veranstaltung mit dem Thema Jüdische Spuren in Wildberg. Es war damals geplant, das Judenbad neben der Volksbank in der Talstraße zu besichtigen. Leider ist dieses Vorhaben gescheitert, da sich das Gebäude in Privatbesitz befindet und eine Öffnung am geplanten Termin kurzfristig nicht möglich war.

Nun ist es aber einer kleinen Delegation doch noch gelungen, das Untergeschoss des Gebäudes in Augenschein zu nehmen und ich selbst konnte zahlreiche Fotos zur Dokumentation machen.

Das Untergeschoss des schönen Fachwerkhauses in der Badgasse ist schon lange Zeit als »Judenbad« bekannt und wurde wahrscheinlich vor vielen Jahrhunderten als Ritualbad und Versammlungsraum genutzt. Noch heute zu sehen sind ein Trog sowie zwei Säulen, von denen eine interessante Inschriften trägt. Die Bedeutung der dort eingravierten Zahl „6015“ war lange unklar, bis es Ulrich Romberg gelang, sie zu entschlüsseln: Von rechts nach links gelesen ergibt sie in jüdischer Zeitrechnung die Jahreszahl 1346, aller Wahrscheinlichkeit nach das Erbauungsdatum des Gebäudes, das damit zu den ältesten noch bestehenden Häusern Wildbergs gehört.

Es stellt sich nun die Frage, in welcher Form man weitere Erkenntnisse gewinnen kann und wie man diese Interessierten zur Verfügung stellt. Wir haben spannende Ideen.

Am kommenden Montag gibt es nachmittags ein weiteres Treffen unseres Papierblatt-Arbeitskreises in Maisenbach bei Zedakah. Dafür gab es diese Woche einige Vorbereitungen zu treffen.

Desweiteren beschäftigen uns zur Zeit Logo-Entwicklungen und Neustarts von Web-Auftritten mehrerer christlicher Organisationen. Da ist eine Menge zu tun.

Timo Roller
30.3.2019, KW13

Wetterwechsel …

Ein Regenbogen über den Wiesen und Wäldern der Heimat.

Es wird Frühling, die Sonne ist häufiger zu sehen, sie scheint wärmer – und doch ist es noch wechselhaft und so war diese Woche ein wunderschöner Regenbogen zu sehen. Unweigerlich erinnerte er mich an das Zeichen der Hoffnung am Himmel vor einigen Tagen über dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Diese Woche gab es vielerei Dinge zu tun, Termine planen, Projektdaten ordnen, Verwaltungskram …

Und gestern dann ein Vortrag beim Männervesper in Büchenbronn bei Pforzheim. Ich durfte mal wieder über mein Lieblingsthema berichten, die Arche Noah. Oder etwas weiter gefasst: »Die Archäologie der Genesis«. Interessierte Zuhörer, wohlwollendes Feedback, aber auch kritische Rückfragen und Unverständnis für ein historisches Verstehen der biblischen Urgeschichte. Insgesamt ein gelungener Abend mit guten und herausfordernden Gesprächen während des »Vespers«.

Ein Zuhörer hatte ihn während des Vortrags aufs Papier gemalt: den Regenbogen über der Arche. Damals ganz neu als Zeichen der Hoffnung. Böses war geschehen, nun hatte Gott eine bessere Zukunft verheißen.

Hoffnungszeichen, Schriftzeichen – und ein besonderer Feiertag

»Zeichen der Hoffnung am schrecklichsten Ort« – so habe ich den Artikel überschrieben über die Studienreise nach Auschwitz, an der ich letzte Woche teilgenommen habe.

Junge Israelis im Lager Birkenau vor dem Eingangstor.

Auschwitz – und vor allem das Vernichtungslager Birkenau – ist ein deprimierender Ort, an dem hunderte, tausende Menschen pro Tag an der langen Rampe mit Viehwaggons ankamen: Nur zu dem Zweck, entkleidet, ausgeplündert, entmenschlicht, auf ihren Platz in der Gaskammer wartend untergebracht – und dann schließlich vergast und verbrannt zu werden. Vom Lagerführer Karl Fritzsch sind die »Begrüßungsworte« überliefert: »Ihr seid hier nicht in ein Sanatorium gekommen, sondern in ein deutsches Konzentrationslager, aus dem es keinen anderen Ausgang gibt, als durch den Schornstein des Krematoriums.«

Die Asche der Opfer wurde hinten in den Wäldern verteilt, Gruben wurden aufgefüllt. Manchmal wurden Leichen unter freiem Himmel verbrannt, wenn die Kapazität der Krematorien nicht ausreichte. Es gibt einige wenige illegal gemachte Fotos davon. Und dort, ganz hinten, waren während unseres Besuchs die Pfützen auf den Wiesen immer noch gefroren, obwohl es doch die letzten Tage gar nicht so kalt gewesen war. Hier scheint der kälteste Ort auf Erden zu sein.

In Begleitung von Schwester Mary vom »Zentrum für Dialog und Gebet« ging unsere Gruppe nach der Führung ein zweites Mal über das Lagergelände: In einer Kreuzwegmeditation wurden den Lagererinnerungen Bibeltexte gegenübergestellt. Nach einem heftigen Regenguss zu Anfang klarte der Himmel auf und ein Regenbogen erstrahlte über den Baracken von Birkenau. Welch Zeichen der Hoffnung!

Aber ein noch wichtigeres Zeichen waren die jungen Leute aus Israel, die in einer großen Gruppe an diesem Tag das Vernichtungslager besuchten. Traurig, aber selbstbewusst und patriotisch gingen sie über das Gelände. Nachdem der Davidstern zur Ausgrenzung ihrer Vorfahren missbraucht worden war, bevor sie hier eingesperrt und umgebracht wurden, ist er nach dem Krieg zur Staatsflagge Israels geworden. Diese blau-weißen Fahnen bewegten sich nun zahlreich mit den jungen Israelis über das Gelände. Die Botschaft: Der Plan der Nazis, alle Juden umzubringen, ist gescheitert. »Am Israel Chai« heißt ein bekanntes hebräisches Lied, das von den Nachkommen der Verfolgten gesungen wurde: »Das Volk Israel lebt!«

Der komplette Artikel wird voraussichtlich nächste Woche veröffentlicht.

Wie man Archiv-Perlen lesbar macht

Im Schwarzwälder Boten ist heute ein Artikel von mir erschienen über einen Deutschschriftkurs, den ich in den letzten Wochen besucht habe. Ob Notizen der Großeltern, historische Geschehnisse in den Archiven der Heimat oder Briefe aus Konzentrationslagern: Sie sind oft in der deutschen Schreibschrift geschrieben, die sich von der lateinischen Schrift unterscheidet und nicht einfach zu lesen ist. Ein großes Hindernis beim Zugang zu über 400 Jahren deutscher Schriftkultur. Und das Überraschende:

»Obwohl sie bei vielen heutigen Lesern Erinnerungen an die dunkelsten Zeiten deutscher Geschichte wachruft, war es ausgerechnet Adolf Hitler, der im Jahr 1941 die deutschen – oder auch ›gotisch‹ genannten – Schreibbuchstaben zusammen mit der gedruckten Frakturschrift hat verbieten lassen. Die traditionsreichen Buchstaben wurden als ›Schwabacher Judenlettern‹ verunglimpft und so war es der Judenhass der Nationalsozialisten, der der lateinischen Antiqua-Schrift zum Durchbruch verhalf.«

3/14: Tag der Kreiszahl Pi

Gestern war Pi-Tag, der 14. März (englisch: 3/14). Der Pi-Tag 2018 wird mir in Erinnerung bleiben, denn ein paar Tage zuvor war ich mit Ronny Reich im Hiskia-Tunnel. Ich habe von unserer Gruppe ein Foto gemacht und als Ronny meine Handy-Hülle sah (Foto), hat er irgendwie über den bevorstehenden Pi-Tag gesprochen.

Wieder zuhause merkte ich, dass meine Videoaufnahme vom Tunneldurchgang ohne Ton war. Zum Glück hatte ich ein separates Tonaufnahmegerät als Backup laufen. Nun war es notwendig, Bild und Ton zu synchronisieren!

Und da war der Pi-Tag wichtig, denn hier waren Pegelausschlag und Lippenbewegung so wunderbar zu bestimmen, dass ich an dieser Stelle Bild und Ton perfekt zusammenfügen konnte. 🙂

Und außerdem …

In den nächsten Wochen ist einiges Material aufzuarbeiten, einige Projekte sind voranzubringen, folgende Vorträge stehen auf dem Programm:

21.3.2019: Männervesper in Engelsbrand zum Thema Arche Noah.
6.4.2019: Männervesper in Schwaigern zum Thema Biblische Archäologie.
10.4.2019: Café in Effringen über Biblische Archäologie und Heimatgeschichte.
28.4.2019: Altensteig, Thema noch nicht genau festgelegt.

Zu einem Konzert von Sefora Nelson in der Kirche in Calw-Stammheim am kommenden Sonntag, organisiert von der Isaak-Stiftung, lade ich recht herzlich ein!

Und dann geht’s am 18. Mai auch dieses Jahr wieder für einige wenige Tage nach Israel: Zusammen mit Schuldekan Thorsten Trautwein möchten wir Mordechai Papirblat besuchen, den Namensgeber unseres Papierblatt-Projekts. Ein Abstecher nach Jerusalem ist ebenfalls geplant: Wir werden Yad Vashem besuchen – und den Hiskiatunnel.

Timo Roller
15.3.2019, KW11