Neuer Artikel: Ära des Untergangs

Nebukadnezar gegen Jerusalem – zu den Hintergründen der Daniel-Geschichte.

Es gibt in der Altstadt Jerusalems Sehenswürdigkeiten, die nur selten von Reisegruppen besucht werden. Uns fiel am letzten Tag während unserer Reise 2018 auf den Spuren Hiskias ein, dass es irgendwo im Gewirr der Gässchen Mauer-Überreste aus der Zeit des Ersten Tempels geben müsste. Aber sowohl der Stadtplan als auch der Reiseführer gaben keine konkreten Hinweise darauf. Es musste einen Blick geben in die frühe Vergangenheit der eigentlich relativ »neuen« Altstadt. Es gibt einige wenige »Fenster« in die über 2500 Jahre zurückliegende Vergangenheit und wir fanden die Mauer schließlich mitten im jüdischen Viertels, ganz in der Nähe des bekannten »Cardo«, einer von Säulen gesäumten Prachtstraße aus römischer und byzantinischer Zeit. Wir standen also über dem Stück Mauer aus der Zeit des ersten Tempels, 7 Meter dick und 65 Meter lang, nach Nehemia 3,8 schlicht »Breite Mauer« genannt. Wir blickten auf ein Bauwerk aus der Zeit Salomos und Hiskias. Und aus der Zeit des wohl düstersten Kapitels in der Geschichte des Alten Israels: die Eroberung Jerusalems mit der Zerstörung des Tempels im Jahr 587 v. Chr. sowie die daran anschließende Gefangenschaft der Juden in Babylon. Bis heute hat sich die jüdische Tradition das Gedenken an dieses traurige Ereignis bewahrt.

Zum Artikel.

»Medien und Antisemitismus«

Diese Woche habe ich am weiteren Ausbau der Papierblatt-Website gearbeitet. Nun sind die Vorträge des Holocaust-Überlebenden Tomi Breuer in Bad Liebenzell und an der Schule in Wildberg verfügbar. Außerdem sind noch eine kompakte Projektvorstellung durch Schuldekan Thorsten Trautwein sowie der Gedenkabend in Berlin zum 80. Jahrestag der sogenannten »Reichskristallnacht« zu sehen.

Nun fiebern wir der Veranstaltung in Ravensburg am nächsten Donnerstag entgegen, wo wir beim Thema »Medien und Antisemitismus« genau an der richtigen Stelle sind. Der baden-württembergische Antisemitismus-Beauftrage Michael Blume sowie der bekannte Journalist Sascha Lobo und viele weitere Multiplikatoren sind mit dabei.

Viele Grüße und bis nächste Woche

Timo Roller, Geschäftsführer

8.2.2019, KW6

Gedenktag, Weltmission und Vogelfedern

Tomi Breuer hat überlebt. Er kann sich nicht daran erinnern, denn er war noch ein kleines Kind: Die Weiche auf dem Weg nach Auschwitz war für ihn in Richtung Überleben gestellt. Er kam ins Arbeitslager nach Wien, nicht ins Vernichtungslager. Und mit ihm seine Mutter, die eigentlich im anderen Zug sein sollte. In jenem mit den arbeitsfähigen Menschen, die nach Wien sollten, aber durch die Verwechslung nach Auschwitz kamen. In Wien kamen nun die Kranken, Alten und Kinder an, denen sie sich wegen ihres zweijährigen Sohnes Tomi anschloss und damit eigentlich ihr Leben wegwarf. Sie wurde später über 90 Jahre alt. Es ist auffällig, dass viele Holocaust-Überlebende sehr alt werden.

Er wollte seiner Mutter nie zuhören, als sie über diese Zeit erzählte. Tomi Breuer konnte es nicht ertragen, wenn sie dabei weinte. Sie erzählte viel, im Gegensatz zu anderen, die schwiegen. Tomis Frau und seine Kinder hatten aber für ihn das Zuhören übernommen. Nach dem Tod der Mutter erfuhr er von ihnen wie es ihr – und auch ihm – damals ergangen war.

Nun wollte er alles wissen, hat sein Schicksal rekonstruiert, erzählt es weiter. An über 200 Besucher im Bad Liebenzeller Kursaal, an 80 Schüler im Bildungszentrum Wildberg (Foto) und an weitere Schüler an weiteren Schulen. Er ist nicht verbittert oder macht uns Deutschen Vorwürfe. Er redet versöhnlich, optimistisch, dankbar, liebevoll. Dies sagt er zum Schluss zu den Schülern: Ich liebe euch. Sein Besuch brachte jede Menge bewegende Begegnungen. Und machte Mut, aus der Erinnerung Taten folgen zu lassen. Taten der Versöhnung, des Trostes und des gegenseitigen Lernens und der Zusammenarbeit.

Am kommenden Sonntag. 3. Februar 2019 sind die beiden folgenden Veranstaltungen:

Zum 163. Mal findet in Nagold am Sonntag die Lichtmesskonferenz statt. Hauptreferent ist der Fernsehpfarrer, Musiker und Autor Heiko Bräuning. »Jesus verändert die Welt!« – nach dem Text aus dem Lukasevangelium (Kapitel 2), der dem Feiertag Mariä Lichtmess zugrunde liegt, geht Bräuning der Frage nach, was das Kommen des Herrn in der damaligen Welt und bis heute bewirkt hat und noch bewirkt. Hier gilt der Fokus auch der weltweiten Mission, die schon dem Gründer der Konferenz, dem gläubigen und wohlhabenden Apotheker Gottlieb Heinrich Zeller (1794 bis 1864), sehr am Herzen lag. Ab 1857 versammelte dieser alle Missionsinteressierten am damals arbeitsfreien Feiertag. In ununterbrochener Folge lädt die Zellerstiftung seither zu dieser Konferenz ein, die Veranstaltung beginnt um 13 Uhr im Gemeindehaus »Zellerstift«. Beginn der Veranstaltung ist um 13 Uhr.

Vogelfedern sind höchst erstaunliche Gebilde: Sie sind leicht, dennoch robust, biegbar, knickfest und drehbar. Für den Flug muss aber noch vieles Weitere im Bau und Verhalten der Tiere aufeinander abgestimmt sein. Was kann man daraus über die Entstehung von Federn schließen? Sind sie ein Ergebnis von Zufällen und Auslese, wie man seit Darwin glaubt? Dr. Reinhard Junker von der Studiengemeinschaft »Wort und Wissen« ist als Referent im Sulzer Gemeindehaus am Sonntagabend zu Gast und präsentiert seine Forschungsergebnisse mit Sachverstand und eindrucksvollen Bildern. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr, der Eintritt ist frei.

Als Vor- und Nacharbeit dieser Veranstaltungen war diese Woche viel zu tun. Dazu gibt es heute Abend noch ein internes Treffen der MORIJA-Gesellschafter, bei dem es um die aktuellen Projekte und die strategische Planung geht.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende

Timo Roller, Geschäftsführer

1.2.2019, KW5

Danke!

Zeit, Dankeschön zu sagen! Beim Erstellen der Zuwendungsbestätigungen wird mir im Jahresrückblick noch einmal richtig bewusst, wieviel Unterstützung wir erhalten! Wir sind sehr dankbar für über 8000 Euro Spenden für unsere gemeinnützige Arbeit im Jahr 2018. Zusammen mit den Erlösen aus dem Geschäftsbetrieb konnten wir damit einiges bewegen.

Insbesondere das Papierblatt-Projekt hat erheblichen Aufwand gekostet. Neben aller eigenen ehrenamtlichen Arbeit und dem Einsatz unserer Partner mussten wir 4500 Euro investieren, um den technischen Ausbau der Website und auch die Videoproduktion voranzubringen. Auch im Jahr 2019 wartet wieder viel Arbeit, unter anderem die Dokumentation des Holocaust-Gedenktags am kommenden Sonntag und der Auschwitz-Studienreise im März.

Die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern wurde initiiert und soll nun ausgebaut werden, darunter der »Gedenkstättenverbund Gäu Neckar Alb« und »Zeugen der Zeitzeugen«. Gabriel Stängle, Autor des Buchs »Wir waren froh, als es vorbei war«, stellt uns Material zur Verfügung für den Ausbau der Rubrik »Regionen«. Speziell dafür haben wir auch einen Spendenbetrag von 1500 Euro von der Stiftung der Volksbank Herrenberg-Nagold-Rottenburg bekommen, wofür wir sehr dankbar sind.

Davidstern im Zentrum des Sternenhimmels an der restaurierten Decke der Gedenkstätte Synagoge Baisingen. Die Lernplattform »Papierblatt« soll mit Lernorten der Heimatgeschichte verknüpft werden.

Eine Veranstaltung in Ravensburg wird das Papierblatt-Projekt auf die große Bühne mit dem Antisemitismus-Beauftragten Michael Blume und dem bekannten Journalisten Sascha Lobo bringen. Zum Thema »Medien und Antisemitismus« haben wir die Gelegenheit, »Papierblatt« vorzustellen. Wir hoffen auf weitere Bekanntheit und Unterstützung.

Die Themen Judentum und Israel werden 2019 besonders im Fokus stehen, auch in Zusammenhang mit »Biblischer Archäologie«, worüber ich mehrere Vorträge und Seminare halten werden.

Die wichtigsten Veranstaltungen im Überblick:

27.1.2019: Holocaust-Gedenktag in Bad Liebenzell
14.2.2019: Veranstaltung »Medien und Antisemitismus« in Ravensburg
21.3.2019: Männervesper in Engelsbrand
6.4.2019: Männervesper in Schwaigern
19.–22.9.2019: Seminar beim Israelkongress auf dem »Schönblick« in Schwäbisch Gmünd

Viele Grüße und herzlichen Dank an alle Spender und Unterstützer im vergangenen und neuen Jahr!

Timo Roller, Geschäftsführer

25.1.2019, KW4

Die Zeit läuft ab!

»Die Zeit läuft ab« – so steht es auf der Titelseite des Computermagazins »c’t«. Ab 2020 wird Windows 7 nicht mehr durch Sicherheitsupdates unterstützt. Man wird fast gezwungen sein, sich der Willkür von Windows 10 anzuvertrauen, das schonmal ungefragt den Computer für Stunden lahmlegt, um neue Funktionen einzuspielen.

Politiker sind Hackerangriffen ausgesetzt und melden sich von Twitter ab. Millionen von E-Mail-Adressen und Passwörtern sind in den dunklen Ecken des Internets aufgetaucht. Freunde mit massiven Computerproblemen. Ein Angriff auf meine Facebook-Freunde durch einen betrügerische Account-Kopie. Man hat den Eindruck, dass mit dem Beginn des neuen Jahres die Schattenseiten der Digitalisierung deutlicher sichtbar werden.

Meine Entscheidung auf den (teilweisen) Umstieg auf Linux war davon unabhängig. Seit über 20 Jahren lebe und arbeite ich mit Mac OS, doch die unkalkulierbare Produktpolitik und die »atemberaubenden Preiserhöhungen« und »Mondpreise« für Apple-Hardware (O-Ton »c’t«) haben in mir schon lange den Wunsch nach Unabhängigkeit geweckt. Zuerst war der Abschied vom iPhone, dann vom MacBook – und nun läuft auf meinem Hauptarbeitsrechner seit Jahresbeginn die Linux-Variante »Xubuntu«. Für die Medienproduktion werde ich weiterhin langfristig Mac OS benötigen. Aber eben als älteres, bewährtes System mit älteren Programmversionen. Befreit von sicherheitskritischen Bestandteilen wie E-Mail, Word, Webbrowsern – das alles geht wunderbar unter Xubuntu. Vielleicht doch eine Alternative für manche Windows-Anwender: Ab 2020 Linux statt Windows 10!

»Digitalisierung« im besten Sinne zeigt unser Projekt »Papierblatt«. Es stellt online die Interviews von Holocaust-Überlebenden für Schulen und interessierte Privatpersonen zur Verfügung. Als interaktive Lernplattform, für Forschungszwecke oder einfach, um die Zeitzeugen-Berichte anzuschauen.

Live erleben kann man so einen Bericht am Holocaust-Gedenktag, dem 27. Januar 2017, in Bad Liebenzell. Dort wird Thomas Breuer von seinem Schicksal erzählen. Als kleines Kind entkam er durch den »Fehler« eines Bahnangestellten der Fahrt ins Vernichtungslager Auschwitz. Siehe: https://www.zedakah.de/arbeitslager-statt-todeszug/

Soweit für heute, bis nächste Woche

Timo Roller, Geschäftsführer

18.1.2019, KW3

Neues Jahr – neue Strategie: Kommunikation!

Neues Jahr – neue Strategie. MORIJA möchte mehr kommunizieren, transparenter werden. Wir bewegen viel und bringen manches voran, aber selten nimmt man sich die Zeit, davon zu berichten. Als Interessierte, Freunde und Unterstützer möchte ich Sie deswegen einmal pro Woche in einem kurzen Blog-Beitrag über die wichtigsten Neuigkeiten und Projekte informieren.

MORIJA weekly – so soll es ab jetzt wöchentlich heißen!

Was war diese Woche los? Es gibt einen neuen, fusionierten Kirchenbezirk Calw-Nagold, der seit 1. Januar 2019 inkraft getreten ist und dessen Webauftritt nun aus den beiden vorhandenen der Vorgänger-Bezirke neu aufgebaut wird. Dazu ist einige Vorarbeit nötig, zunächst wurde die Adresse www.kirchenbezirk-calw-nagold.de eingerichtet, die auf die von uns bereits betreute Nagolder Seite weiterleitet.

Am 3. Februar ist die diesjährige Lichtmesskonferenz in Nagold. Für die Zellerstiftung (www.zellerstiftung.de), die als Veranstalter hinter der ehrwürdigen Missionszusammenkunft steht, konzipieren wir einen neuen Auftritt in der Öffentlichkeit. Auch die Isaak-Stiftung (www.isaak-stiftung.de) plant eine Veranstaltung: am 17. März wird die Sängerin Sefora Nelson in Calw-Stammheim auftreten. Dafür werden ebenfalls Plakate und Flyer erstellt und auch der Internetauftritt bleibt auf dem Laufenden.

Auch für das Projekt »Papierblatt« wirft eine Veranstaltung ihre Schatten voraus: Am 14. Februar haben wir die Gelegenheit, das Holocaust-Archiv während eines Forums »Antisemitismus und Medien« in Ravensburg vorzustellen. Als Redner werden Michael Blume, der Antisemitismus-Beauftragte von Baden-Württemberg, sowie der bekannte Journalist Sascha Lobo (mit rotem Irokesenschnitt) dort auftreten. Und wir freuen uns, dass wir im Dezember einen Spendenscheck über 1500 Euro von der Stiftung der Volksbank Herrenberg-Nagold-Rottenberg in Empfang nehmen durften!

Foto von der Scheckübergabe am 18.12.2018 in Nagold, von links: Ralf Gottschalk (Volksbank), Gabriel Stängle (Experte zum Thema Judenverfolgung im Nagoldtal und Projekt-Mitarbeiter bei »Papierblatt«), Timo Roller (Geschäftsführer der MORIJA gGmbH und Mitinitiator von »Papierblatt«) sowie Martin Graf (Vorstand der Volksbank-Stiftung).

In der letzten Ausgabe des Factum-Magazins ist ein Artikel von mir erschienen. Er ist nun – in erweiterter Fassung – auch online verfügbar: »War die Arche rund?« Es handelt sich um eine umfangreiche Analyse der Entdeckungen des Assyrologen Irving Finkel aus Großbritannien.

Soweit das erste MORIJA weekly, bis nächste Woche

Timo Roller, Geschäftsführer

11.1.2019, KW2

War die Arche Noah rund?

Ende Mai 2015 besuchte ich mit meiner Familie das Deutsche Museum in München. Im Bereich »Schifffahrt« gibt es dort einen echten Fischkutter aus dem Jahr 1880 zu bestaunen; das nachgebildete Innenleben eines U-Boots und das Kanonendeck eines alten Kriegsschiffs sowie ein Modell der Titanic sind faszinierend für Kinder wie Erwachsene. Ganz unscheinbar dagegen ist ein schwarzes, rundes Boot, das mir dennoch ins Auge fiel. Es sieht aus wie ein viel zu groß geratenes Bortkörbchen. Ich wäre sicher an diesem eher unschönen Gebilde vorübergegangen, wenn mich nicht zuvor ein Buch von Irving Finkel beschäftigt hätte: »The Ark before Noah«. Darin wird die These aufgestellt, dass die Arche genau so ausgesehen haben könnte: Ein rundes Korbboot, allerdings in Mega-Dimensionen. War dies vor mir in München also die Arche im Kleinformat?

Den vollständigen Artikel von Timo Roller finden Sie auf der Website NoahsArk.Site.

Wer hätte gedacht, dass sich im Deutschen Museum in München eine Mini-Arche im Stile Irving Finkels befindet?

Ulrich Romberg und das unterirdische Jerusalem: Forschung vor Ort

Nun geht es los nach Jerusalem. Vom 6. bis 12. März sind Timo Roller und Albert Röhm von MORIJA zusammen mit dem Forscher Ulrich Romberg aus Wildberg in Jerusalem unterwegs (siehe auch hier). Seine Erkenntisse aus 30 Jahren werden wir – so weit möglich – vor Ort überprüfen. Dazu haben wir die Gelegenheit, uns mit dem Archäologen Ronny Reich zu treffen, der über viele Jahre bis zu seinem Ruhestand in der Davidstadt ausgegraben hat.

Am 27. Februar 2015 ist ein Artikel von mir im Schwarzwälder Boten erschienen (leicht gekürzt), nachdem Ulrich Romberg seine Erkenntnisse zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Der Artikel wurde damals allerdings nicht online verfügbar gemacht, daher nun hier als ungekürzte Version:

Ulrich Romberg teilt seine Erkenntnisse

Referent beim Gemeinsamen Bibelabend in Sulz ist seit drei Jahrzehnten vom unterirdischen Jerusalem fasziniert

Seit 30 Jahren erforscht Ulrich Romberg die komplexen Wasserversorgungssysteme Jerusalems. Beim Gemeinsamen Bibelabend im Sulzer Gemeindehaus legte er am vergangenen Sonntag vor etwa 60 Zuhörern zum ersten Mal seine Erkenntnisse und Berechnungen dar.

Romberg, der nach einer Technikerausbildung zum Diakon umgeschwenkt ist und bis zu seinem Ruhestand viele Jahre am Bildungszentrum in Wildberg Lehrer war, hat vor allem das unterirdische Jerusalem ausgiebig erforscht: In erster Linie vom heimischen Schreibtisch aus, an dem er unzählige Grabungsberichte und archäologische Literatur studierte, aber auch die Vermessungstechnik der vorchristlichen Zeit zu rekonstruieren versuchte. Ein Besuch in Jerusalem hat in den 1980er Jahren sein Interesse geweckt, als die Meinung hörte, der berühmte Hiskia-Tunnel mit seinem merkwürdig kurvigen Verlauf sei das glückliche Ergebnis eines »gering ausgebildeten Ingenieurwissens« und die Tunnelgräber seien mehr zufällig oder durch ein »Wunder Gottes« im Inneren des Felsens aufeinandergestoßen. »Ich hoffe, Ihnen heute eine andere Einsicht vermitteln zu können.«

Schon von Anfang an spielte die Wasserversorgung für das antike Jerusalem eine lebenswichtige Rolle. In den trockenen judäischen Bergen war wohl schon zu Abrahams Zeiten, als Melchisedek König von Salem war, die sogenannte Gihon-Quelle von unschätzbarem Wert für die Bewohner der Stadt. Ulrich Romberg, der die komplexen Wasserversorgungssysteme in Jerusalem seit 30 Jahren erforscht, kann sich zumindest vorstellen, dass der unmittelbare Quellbereich schon in kanaanäischer Zeit ein bedeutendes Heiligtum beherbergte.

Nachdem Romberg also zunächst einen kurzen Einblick in die Zeit Melchisedeks und der berühmten biblischen Könige David und Salomo gab, bei denen die Gihon-Quelle auch schon eine wichtige Rolle zur Versorgung spielte, erläuterte er ausführlich die Entstehung der Bauprojekte, die dem König Hiskia zugeschrieben werden. Zu seiner Zeit – um das Jahr 700 v. Chr. – war die Hauptstadt des Königreichs Juda durch das Heer des assyrischen Königs Sanherib bedroht. Wenige Jahre zuvor war das israelitische Nordreich bereits den Assyrern in die Hände gefallen und auch mehrere Städte Judas waren bereits verloren.

Schon frühzeitig war in Vorahnung eines weiteren Feldzugs der Assyrer mit den Maßnahmen gegen eine Belagerung Jerusalems begonnen worden. Wahrscheinlich ein ägyptischer Ingenieur – so die Theorie Rombergs, denn allen Vermessungen liege die ägyptische Elle zugrunde – wurde mit dem Tunnelbau beauftragt. Alles wurde überirdisch genauestens vermessen und dann in das Innere des entstehenden Tunnels übertragen. Dazu notwendigen Messgeräte hat Ulrich Romberg auf dem Reißbrett und auch als Aluminium-Modell rekonstruiert.

Der Tunnel wurde von beiden Seiten gegraben, die Gänge haben einen geringen Querschnitt, so dass es – angesichts der drohenden Belagerung – schnell vorangegangen sein muss. Und trotzdem hatten die Ingenieure wohl auch gleich einen oder mehrere Notfallpläne in der Tasche, auf die im Ernstfall sofort zurückgegriffen werden konnte: Beim Anrücken der feindlichen Armee hätte unter Umständen nur noch von einer Seite gegraben werden können, da die Seite zur Quelle hin sofort hätte in Betrieb genommen werden müssen. Messungen außerhalb des Tunnelsystems hätten im Angriffsfall eingestellt werden müssen. Und im schlimmsten Fall hätte von der Stadtburg aus ein direkter Schacht in den Tunnel gegraben werden müssen.

Tatsächlich führt der Tunnel von der Quelle im Norden aus nicht gleich gen Süden, sondern macht eine Kurve nach Westen, wo am höchsten Punkt der ursprünglichen Davidstadt in den letzten Jahren die Überreste einer Befestigungsanlage ausgegraben wurden. Die Kurve im südlichen Teil des Tunnels führt Romberg darauf zurück, dass wohl in der Tat während der Baumaßnahmen die Belagerung der Assyrer eingesetzt habe und man aus Gründen der Luftzufuhr für die Bauarbeiter eine weitere Entnahmestelle in Betrieb nehmen musste.

Auch für verschiedene »tote« Stollen, die von anderen Forschern als Beweis für die schlechte Planung herhalten mussten, hat Romberg eine alternative Erklärung: Nahe an der Stelle des Aufeinandertreffens beider Stollenteile hätten sich die Hauer von Geräuschen ihrer Kollegen auf der anderen Seite ablenken lassen und genau in deren Richtung gegraben. Da die Planer aber zur Sicherheit einen »Fangstollen« geplant hätten, der verhindern würde, dass sich die Tunnelröhren verfehlen, hätten sie die Arbeiten entsprechend korrigieren lassen. Unregelmäßigkeiten im Fels könnten nämlich das Graben nach Gehör in die falsche Richtung führen, so Romberg.

Als Beweis für seine Theorie der präzisen Planung führte Romberg die Genauigkeit der Niveaumessungen an, die eine optimale Nutzung des Tunnels gewährleitet hätten, und die an der Stelle am Zusammenschluss bei genauer Betrachtung nur wenige Zentimeter betragen hätten. Trotz eines großen Gottvertrauens, für das Hiskia – dessen Berater der Prophet Jesaja war – in der Bibel gerühmt wird, tat er also trotzdem alles Menschenmögliche, um sein Volk vor der heranrückenden Gefahr zu schützen. Ulrich Romberg zählt den Hiskiatunnel »zu den bedeutendsten Ingenieurwerken der Antike«. Das entschlossene und tatkräftige Handeln Hiskias sei verbunden mit dem Vertrauen auf Gott ein Zeugnis für die Errettung aus großer Gefahr. Denn schließlich musste Sanherib nach Gottes Eingreifen wieder abrücken und konnte in seinen Annalen nicht von der Eroberung Jerusalems berichten, sondern nur davon, dass er Hiskia »wie einen Vogel im Käfig in Jerusalem« eingeschlossen hatte. Angesichts der sonst so überschwänglichen und grausamen Beschreibungen assyrischer Siege sei das nur die beschönigende Umschreibung einer bitteren Niederlage.

Ulrich Romberg zeigte in seinem Vortrag eindrücklich auf, zu welch genialen Bauvorhaben die Ingenieure vor über 2500 Jahren imstande waren und wie zuverlässig die Bibel als historische Quelle dienen kann.

Ulrich Romberg erläutert die komplizierte Quellanlage und den Verlauf des Hiskiatunnels.

Unvergängliche Schriftzeichen

Die Bibelkritik ignoriert archäologische Erkenntnisse und frühe Keilschriften, die ein Indiz dafür sind, dass die Bibel von Anfang an schriftlich überliefert wurde.

Es war ein spannendes Experiment, das die Royal Asiatic Society im Jahr 1857 in London durchführte. Vier namhafte Forscher nahmen daran teil: Jeder von ihnen erhielt einen versiegelten Umschlag mit der Abschrift eines erst kurz zuvor ausgegrabenen assyrischen Militärberichts. Henry Creswicke Rawlinson, Edward Hincks, Jules Oppert und Henry Fox Talbot sollten unabhängig voneinander diesen Keilschrifttext übersetzen und damit belegen, ob die Entschlüsselung der alten Sprachen als gesichert gelten konnte.

Mehr darüber auf unserer Website NoahsArk.site