Leider gab es in der letzten Zeit – vor allem nach dem angeblichen Arche-Fund auf dem Berg Ararat – einige Missverständnisse bezüglich meiner Ausführungen über die Erwähnung des Berges Cudi im Koran. Es mag für einige den Anschein haben, dadurch würde ich die Glaubwürdigkeit des Koran höher werten als diejenige der Bibel. Das ist nicht der Fall. Es ist eine Fehlinterpretation, dass ich die Aussagen der Bibel über den Landeplatz für falsch halte. In der Zeitschrift »ethos« ist es mit einem Zitat von mir auf den Punkt gebracht: »Selbst wenn die Arche Noah auf dem Berg Cudi und nicht auf dem armenischen Ararat gelandet ist, soll das kein Streitpunkt sein, ob die Bibel recht hat oder nicht.« Ein ähnlicher Satz befindet sich auch auf meiner Internetseite.
Zur Klärung möchte ich meine Wertung der Quellen noch einmal darlegen:
Die Begriffe »Ararat« und »Cudi« sind rein geografische Angaben und sind daher losgelöst von jeder theologischen Aussage und geistlichen Wertigkeit dieser doch so gegensätzlichen Bücher.
Die Genesis wurde nach meiner Überzeugung spätestens um 1400 v.Chr. von Mose verfasst und geht vielleicht noch auf ältere Schriftstücke zurück. Der Begriff »Ararat« aus Genesis 8,4 entspricht sehr wahrscheinlich dem Gebiet des antiken Reiches »Urartu« und ist geografisch relativ unpräzise. Der heute unter dem Namen Ararat bekannte Berg muss damals noch nicht so geheißen haben. Im Gegenteil ist er unter den Einheimischen auch heute noch unter anderen Namen bekannt. Um die Zeitenwende, also fast 1500 Jahre nach Mose, hat Josephus Flavius von einem »Gebirge in Armenien« geschrieben, zitiert aber auch einen früheren babylonischen Autor, der den Landeplatz der Arche noch präziser auf dem »Kordyäergebirge« lokalisiert. Dieses Gebirge meint auch der Koran, wenn er vom »Al-Dschudi« schreibt. Die islamischen Traditionen folgen natürlich dieser Ortsangabe.
Ergebnis: Die Bibel als ältestes Schriftstück enthält die nur grobe geografische Angabe eines ganzen Landstriches »Ararat« bzw. »Urartu«, die von den späteren Autoren präzisiert wurde – aufgrund der noch vorhandenen Kenntnis über die genaue Lage aus anderen Quellen oder sogar aufgrund noch existierender Überreste der Arche (Flavius Josephus: »Man zeigt heute dort noch Reste der Arche«, Jüdische Altertümer I,3,5).
In späterer Zeit, wahrscheinlich nach Vertreibung der christlichen Armenier nach Norden im 7. Jahrhundert n.Chr., konnte die ungenaue Angabe der Bibel auf einen anderen Berg projiziert werden, den heute so berühmten »Großen Ararat«. Es gibt übrigens auch antike christliche und jüdische Schriften und Bibelübersetzungen, in denen der Name Ararat durch präziser lokalisierte Angaben (z.B. »Kardo«) ersetzt wurde.