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Die Erzväter

Die Urgeschichte der Bibel erzählt die Menschheitsgeschichte von der Erschaffung der Welt über die Sintflut bis zum Entstehen des jüdischen Volkes. Sie enthält dabei einen durchgehenden Stammbaum von Adam über Noah bis Abraham.

Um 2000 v. Chr. existierten in Mesopotamien schon seit Langem erste Hochkulturen (Sumerer), Ägypten war die wichtigste Weltmacht und beherrschte viele umliegende Völker.

Die Geschichte Israels begann mit einem Mann: Abraham. Er verließ seine Heimat Ur in Chaldäa und zog mit Familie und Dienerschaft über Haran nach Kanaan, das in jener Zeit von vielen Kleinvölkern bewohnt wurde. Abraham folgte dabei einem Befehl Gottes, der Abrahams Nachkommen zu einem großen Volk machen und ihnen das Land Kanaan zum ewigen Besitz geben wollte – so berichtet es die Bibel. Abraham selbst erlebte die Erfüllung dieser Prophezeiung nicht mehr. Zu seinen Lebzeiten blieben andere Völker die Herren im Land, der Patriarch und seine Familie lebten als Nomadenvolk im Land Kanaan.

Gott schenkte Abraham und seiner Frau Sara aber in hohem Alter ihren Sohn Isaak. Und er versprach, dass dessen Nachkommen dieses Land einmal besitzen und sie zahlreich wie der Sand am Meer sein würden. Gottes Plan war, aus allen Völkern ein einziges herauszugreifen, das sein Eigentum sein sollte. Alle Völker der Erde – einschließlich Abrahams Vorfahren – waren dem Götzendienst verfallen. Sie verehrten zahlreiche Götter, deren Kultus selbst vor Menschenopfern nicht haltmachte.

Durch dieses eine ausgesonderte Volk wollte Gott alle Völker segnen und aufzeigen, wie das Leben unter seiner Herrschaft aussieht – sowohl als Staatsgemeinschaft wie auch als Individuum. Aus diesem Grund sollte dieses Volk »heilig sein«, also abgesondert von den anderen Völkern leben und mit diesen keinen näheren Kontakt pflegen, damit sie deren heidnische Kulte und grausame Bräuche nicht übernähmen. Um ein solches Leben führen zu können, sollte Israel sein eigenes Land erhalten.

Abrahams Enkel Jakob wurde der Gründer dieses Volkes. Sein Name bedeutet »der Fersenhalter« oder »der Listige«. Sein Zwillingsbruder Esau sollte eigentlich als Erstgeborener vom Vater Isaak den Segen und das damit verbundene Erstgeburtsrecht erhalten, doch Jakob erschlich sich diesen Segen und musste vor dem mörderischen Zorn seines Bruders fliehen. Am Ort seines Exils heiratete er seine beiden Cousinen Lea und Rahel. Obwohl Jakob sich das Erstgeburtsrecht durch eine List geholt hatte, behielt er das Recht darauf.

Dieses Gemälde in einem Hotel in Ariel zeigt, wie die Menschen zur Zeit der Erzväter gelebt haben könnten. Das eindrückliche Kunstwerk wurde bei einem Selbstmordanschlag im März 2002 zerstört.

20 Jahre später kehrte er mit seiner ganzen Familie, mit 12 Söhnen und einer Tochter in seine Heimat zurück, um sich mit Esau zu versöhnen. In der Nacht vor der Begegnung mit Esau wurde Jakob von einem Unbekannten in einen Kampf verwickelt, der die ganze Nacht dauerte. Am Morgen wollte der geheimnisvolle Herausforderer gehen, aber Jakob ließ ihn nicht los, ohne von ihm gesegnet zu werden – wohl ahnend, dass er mit Gott gerungen hatte. Da segnete der Fremde Jakob und sagte zu ihm: »Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen.« (1. Mose 32,29)

»Israel« bedeutet »Gott kämpft«. Die Nachsilbe »El« ist die Kurzform des hebräischen Wortes für Gott. Sie befindet sich in vielen hebräischen Namen, z. B. in »Manuel«, »Gabriel« und »Michael«.

Jakobs (Israels) zwölf Söhne sind die Stammväter des israelitischen Volkes. Von ihnen kommen die zwölf Stämme, aus denen sich das Volk Israel bis heute zusammensetzt und unter denen das Heilige Land aufgeteilt wurde.

Der Stamm Levi stellt die Priester und die Tempeldiener (Leviten). Sie erhielten keinen Anteil am Land, »denn ... das Priestertum des HERRN ist ihr Erbteil« (Josua 18, 7). Stattdessen wurden ihnen 48 Städte auf den Gebieten der anderen Stämme zugeteilt. Außerdem wurden sechs Freistädte bestimmt, in denen Totschläger, also Menschen, die versehentlich jemanden getötet hatten, Zuflucht vor Bluträchern finden konnten.

Da der Stamm Levi kein Land erhielt, Israel aber unter zwölf Stämmen aufgeteilt werden sollte, teilte Gott den Stamm Josef auf und machte an seiner statt seine Zwillingssöhne Ephraim und Manasse zu Stammvätern. Somit erhielt Josef als Lieblingssohn Jakobs quasi doppelten Landanteil.

Der größte Stamm hieß Juda. Von ihm rühren die Bezeichnungen »Jude« bzw. »jüdisches Volk« her. Seine besondere Beziehung zu diesem Volk drückt Gott seither unmissverständlich dadurch aus, dass er sich als »der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs« bezeichnet (2. Mose 3,6).

Noch zu Lebzeiten Jakobs zählte seine Nachkommenschaft 75 männliche Personen. Diese siedelten sich im 19. Jh. v. Chr. wegen einer Hungersnot in einer Provinz Ägyptens an. Jakobs Lieblingssohn Josef gelangte schon viele Jahre vor ihnen dorthin und war oberster Minister geworden. Im Lauf der Zeit wuchs die Zahl der Israeliten in Ägypten so sehr, dass der Pharao um seine Macht fürchtete und sie sicherheitshalber versklaven ließ.

Gott berief Mose, zum Pharao zu gehen und diesem Gottes Befehl mitzuteilen, das Volk Israel freizulassen. Da dieser sich weigerte, zwang ihn Gott durch zehn Plagen, »sein Volk«, die Israeliten, in die Freiheit zu entlassen.

Um das Jahr 1560 v. Chr. verließen 600.000 Männer mit Frauen und Kindern unter der Führung Moses das Land, um nach Kanaan zu ziehen. Sie konnten jedoch nicht auf direktem Weg wandern, da sie das Land der Edomiter, das zwischen Ägypten und Kanaan lag, nicht durchqueren durften. So zogen sie im Bogen östlich daran vorbei.

Israels Auserwähltheit blieb für das Volk bis heute eine stetige Herausforderung. Die Israeliten sind auch als abgesondertes Volk immer normale Menschen geblieben und menschlich ist es, sein Leben ohne Gott führen zu wollen.

Gott hat die Völker dieser Welt ihre eigenen Wege gehen lassen, doch sein eigenes Volk ließ er nicht los. Immer wieder musste er es durch harte Strafen zur Besinnung bringen.

Bereits kurze Zeit nachdem die Israeliten – begleitet von einer Vielzahl übernatürlicher Phänomene – Ägypten verlassen hatten, verloren sie aus Angst vor den Bewohnern des Landes Kanaan ihr Vertrauen in Gott und wollten lieber zurück in die Sklaverei, statt unter Gott in einem eigenen Land zu leben.

Zur Strafe ließ Gott das ganze Volk 40 Jahre lang in der Wüste zwischen Ägypten und Kanaan herumwandern, bis die ganze Generation, die Ägypten verlassen hatte, gestorben war. Erst die nachfolgende Generation durfte das Land in Besitz nehmen. Diese überschritt schließlich unter Josuas Führung von Osten kommend den Jordan – nachdem Mose auf dem Berg Nebo in Sichtweite zum verheißenen Land gestorben war. Unter der Führung Josuas eroberten die Nachkommen Abrahams als erstes die Stadt Jericho und nach und nach das ganze Land Kanaan. Sie nannten es »Land Israel«.

Auf dem Weg von Ägypten ins verheißene Land hatten die Israeliten von Gott am Berg Sinai die Zehn Gebote empfangen, sowie eine Vielzahl von Regelungen und Anweisungen für fast alle Aspekte des täglichen Lebens. Fernsehmoderator Peter Hahne schrieb darüber: »Die gewaltigen zehn Sätze, die der Mann Gottes von diesem Berg seinem Volk brachte, haben in der Welt tiefere Spuren hinterlassen als alle revolutionären Ideen und philosophischen Entwürfe der folgenden 3000 Jahre.«

Darüber hinaus gab Gott ihnen in der Thora auch die Grundlage ihres Glaubens. Er erklärte ihnen darin, wie sie als sein Volk ihre Gottesdienste abzuhalten hätten, wie der Einzelne sich vor ihm zu verhalten habe und welche Feste das Volk zur Erinnerung an welche Ereignisse zu feiern hätte. Der Stamm Levi wurde von Gott bestimmt, den Priesterdienst zu übernehmen.

Schließlich gab er ihnen noch die Bauanweisungen für den Ort des Gottesdienstes: die Stiftshütte, ein Zelt, das als »Tempel« überall dort aufgeschlagen wurde, wo sich das Volk niederließ. Damit erhielten die Israeliten eine nationale und eine religiöse Volksidentität.

Ein Modell der Stiftshütte führt das Leben des Volkes Israel während der Wüstenwanderung vor Augen. Die Bibelausstellung von Alexander Schick wurde 2007 in Herrenberg gezeigt.

Nachdem es den Jordan überquert hatte, führte das Volk Israel einen wahren Vernichtungskrieg gegen die Bewohner des Landes Kanaan und eroberte es auf blutige Weise. Dieser Krieg beruhte jedoch nicht auf niederem Aggressionstrieb. Das Alte Testament macht deutlich, dass Gott sein Volk hier benutzte, um über jene Völker Gericht zu halten. Sie hatten jahrhundertelang grausame Bräuche getrieben, für die er sie nun durch die Hand der Israeliten bestrafte:

»Macht euch nicht unrein durch all dieses! Denn durch all dieses haben die Nationen sich unrein gemacht, die ich vor euch vertreibe. Und das Land wurde unrein gemacht, und ich suchte seine Schuld an ihm heim, und das Land spie seine Bewohner aus.« (3. Mose 18,24–25)

Nach der Eroberung wurde das Land unter den zwölf Stämmen aufgeteilt. Weil jedoch die Israeliten Gott nicht gehorcht und nicht alle Bewohner des Landes vertrieben hatten, kam es zu den von Gott angedrohten Konsequenzen: »Denn wenn ihr ... euch an den Rest dieser Nationen hängt, an die, die bei euch übrig geblieben sind, und euch mit ihnen verschwägert und in ihnen aufgeht und sie in euch, dann sollt ihr mit Sicherheit wissen, dass der HERR, euer Gott, nicht fortfahren wird, diese Nationen vor euch zu vertreiben. Und sie werden euch [dann] zum Fangnetz und zur Falle werden, zur Geißel in euren Flanken und zu Stacheln in euren Augen, bis ihr aus diesem guten Land weggerafft werdet, das der HERR, euer Gott, euch gegeben hat.« (Josua 23, 12–13)

Die zwölf Stämme fanden nicht zueinander und lagen untereinander oft im Streit. Dies wurde von Nachbarvölkern immer wieder für Raubzüge ausgenutzt.


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