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Staatspräsidenten

Der Staatspräsident (hebr. »nasi«) ist das Oberhaupt des Staates Israel. Er wird von der Knesset, dem israelischen Parlament, durch eine einfache Mehrheit gewählt. Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre, er kann einmal wiedergewählt werden.

Das Amt des Präsidenten symbolisiert die Einheit des Staates über parteipolitische Grenzen hinweg. Zu seinen Aufgaben, die im wesentlichen repräsentativer und formeller Art sind, zählen unter anderem

Israels Präsidenten seit der Staatsgründung:

Chaim Weizmann (Staatspräsident 1949–1952)

Der erste Präsident Israels, Professor Chaim Weizmann, – Wissenschaftler und Staatsmann –– trug wesentlich zur Gründung des Staates Israel bei.

Er wurde 1874 in der Nähe von Pinsk im heutigen Weißrussland geboren und konnte eine kombinierte jüdische und säkulare Ausbildung genießen. In Deutschland und der Schweiz studierte er Naturwissenschaften und nahm an zionistischen Aktivitäten teil. 1904 wanderte er nach Großbritannien aus und begann seine wissenschaftliche Karriere als Forscher im Fachbereich Chemie an der Manchester University. Während des Ersten Weltkrieges erhielt er eine Auszeichnung für ein Verfahren zur Herstellung von synthetischem Azeton, einem Stoff, der zur Munitionsherstellung benötigt wird. Dieser Ruhm brachte ihn in Verbindung mit den »Einflussreichen« der britischen Gesellschaft. Darunter waren auch Lord Balfour und Winston Churchill.

Aufgrund seines persönlichen Charmes und seiner Beredsamkeit konnte er sich in den intellektuellen und politischen Kreisen zum zionistischen Sprecher entwickeln. Seine Anstrengungen gipfelten in der Balfour-Erklärung am 2. November 1917, in der die britische Regierung ihre Sympathie für die zionistischen Ziele zum Ausdruck brachte. Diese Erklärung bereitete die Bühne für das Mandatsgebiet Palästina, das Großbritannien vom Völkerbund 1922 übertragen bekam.

Sein ganzes Leben hindurch vereinte er sein Engagement in der Wissenschaft mit seinem Streben nach Erfüllung der zionistischen Ideale. Als langjähriger Führer der weltweiten Zionistenbewegung formulierte er geschickt die zionistische Strategie und konnte eine breitere Unterstützung für die zionistische Bewegung erzielen. Er mobilisierte jüdisches Kapital für weitere Anstrengungen in Palästina unter britischem Mandat.

Bei dem Zusammentreffen mit dem amerikanischen Präsidenten Truman im März 1948 machte Weizmann die Notwendigkeit der Gründung eines jüdischen Staates deutlich. Das war zweifelsohne mit ein Grund für die rasche Anerkennung des Staates Israel durch die Vereinigten Staaten von Amerika.

Eine der ersten Handlungen der provisorischen Regierung Israels war die Ernennung von Chaim Weizmann zum Präsidenten des ebenfalls noch provisorischen Parlaments. Im Februar 1949, einen Monat nach den ersten allgemeinen Wahlen, wählte man ihn in einer Sondersitzung der Knesset zum ersten Präsidenten des neuen Staates. Nach der Vereidigungszeremonie in Jerusalem am 16. Februar wurde Weizmanns Haus in Rehovot zur offiziellen Residenz des israelischen Präsidenten.

Im April 1949 besuchte Präsident Weizmann die Vereinigten Staaten von Amerika, wo er vor vielen Menschen sprach. Dort wurden ihm 23 Millionen US-Dollar für den Staat Israel und für eine naturwissenschaftliche Forschungseinrichtung zur Verfügung gestellt. Diese trägt heute seinen Namen - das Weizmann-Forschungsinstitut (Weizmann Institute of Science).

Als »Mann der Tat« war Weizmann enttäuscht von der eher repräsentativen Aufgabe des Präsidentenamtes. Dennoch waren es genau seine Beziehungen zu britischen Schlüsselfiguren, die die Anerkennung Israels durch Großbritannien de facto im Januar 1949 und de jure im April 1950 förderte.

1950 musste er aus gesundheitlichen Gründen seine Aktivitäten einschränken, er empfing aber weiterhin ausländische Würdenträger.

Im November 1951 wurde er zu einer zweiten Amtszeit wiedergewählt und in seiner Residenz in Rehovot vereidigt.

Sein letztes Lebensjahr verbrachte er meist schwerkrank und starb am 9. November 1952. Auf eigenen Wunsch hin hat man ihn im Garten seines Hauses begraben, der heute Teil vom Campus des Weizmann-Forschungsinstitutes ist.

David Lloyd George, britischer Premierminister von 1916 bis 1922, sagte 1933 über Weizmann: »Ich habe in meinem Leben eine Menge interessanter Leute getroffen, aber ich kenne niemanden, den ich mehr respektiere als Weizmann. Er ist der größte Mann, den die Juden in den letzten tausend Jahren hervorgebracht haben. Er ist jetzt weltberühmt, und in tausend Jahren von heute an, wird sich jeder Jude an ihn erinnern. Und er wird der einzige jetzt lebende Jude sein, an dessen Namen man sich dann erinnern wird.« (http://www.jafi.org.il/education/100/german/people/Dr_Chaim_Weizmann.html)

Jitzhak Ben-Zwi (Staatspräsident 1952–1963)

Jitzhak Ben-Zwi, ein Führer der zionistischen Arbeiterbewegung und Historiker, wurde am 8. Dezember 1952 zum zweiten Präsidenten des Staates Israel gewählt.

Ben-Zwi wurde 1884 in Poltava (Ukraine) als Jitzhak Shimshelevitz geboren. Sein Vater war ein jüdischer Gelehrter und Schriftsteller, der seinen Nachnamen ins hebräische »Zwi Shimshi« übersetzt hat. Daher rührt der Name Ben-Zwi, Sohn des Zwi. Aufgewachsen ist Ben-Zvi in jüdischer Tradition und mit zionistischem Gedankengut, was ihn dazu befähigte, in der Zeit des Kishinev Pogroms 1903 eine jüdische Verteidigungsorganisation in der Ukraine mitzugründen. Nach der Immigration 1907 nach Palästina war er eine zentrale Figur in der »Hashomer«, der Verteidigungsorganisation zum Schutz jüdischer Siedler bei der landwirtschaftlichen Urbarmachung Israels in den ersten Tagen der zionistischen Bewegung.

Während des Ersten Weltkrieges wurde er wie auch David Ben Gurion (der erste Premierminister Israels) von den Ottomanen wegen seinen zionistischen Aktivitäten aus Palästina vertrieben. Sie gründeten eine Basis der zionistischen Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten. 1917 schlossen sie sich der 39. Königlichen Infanterieeinheit an und kehrten mit der britischen Armee nach Palästina zurück. Später wurde Ben-Zwi ein Gründungsmitglied der »Haganah«, einer jüdischen Untergrundarmee.

Als engagierter Sozialist wurde Ben-Zwi bereits in jungen Jahren zu einem Führer der zionistisch-sozialistischen Partei. 1920 war er unter den Gründungsmitgliedern der »Histadrut«, der allgemeinen Gewerkschaft der Arbeiter in Israel. Zwischen 1931 und 1948 war er zuerst Vorsitzender und dann Präsident des »Va'ad Haleumi« (nationale Ratsversammlung), ein diplomatischer Posten, wo er als Chefrepräsentant des jüdischen Volks gegenüber den britischen Mandatsbehörden tätig war. Im Januar 1949 gelangte er als Abgeordneter in die Knesset und nur drei Jahre später, 1952, wurde er zum Präsidenten Israels gewählt.

Jitzhak Ben-Zwi verzichtete auf sein Knessetamt und zog in die Präsidentenresidenz von Rehovot nach Jerusalem um. Er war davon überzeugt, dass der Präsident als gutes Beispiel für Bürgernähe dienen soll. Ebenso sollte seine Residenz eine eingeschränkte Lebensweise und die Einfachheit dieser Zeit reflektieren. Deshalb bestand er auf ein Fertighaus aus Holz. Diese Unterkunft wurde durch zwei ähnliche Gebäude im Garten vergrößert, die für offizielle Empfänge genutzt wurden.

Es war Jitzhak Ben-Zwi, bekannt für seine Warmherzigkeit, Offenheit und sein einfaches Gemüt, der als erster zu jährlichen Veranstaltungen einlud, die inzwischen zur Tradition geworden sind. Da ist zum Beispiel der Tag des »Offenen Hauses« in der Residenz des Präsidenten, der während des Laubhüttenfestes stattfindet. Oder der jährliche Empfang zum Unabhängigkeitstag, eine Veranstaltung, zu der auch gewöhnliche Bürger eingeladen werden.

Ben-Zwi interessierte sich sehr für die unterschiedlichen jüdischen Gruppen, die nach Israel einwanderten. Die Traditionen, Rituale und die religiöse Kunst der orientalischen Juden wie der Jemeniter, Perser, Kurden und anderer beschäftigten ihn sehr. Er verfasste etwa 20 Bände zur Geschichte jüdischer Völker und die ungebrochene Kette der jüdischen Besiedlung Israels seit den Tagen des Zweiten Tempels.

Ben-Zwi diente zwei volle Amtszeiten zu je fünf Jahren als Präsident und wurde sogar für eine dritte Amtsperiode im Dezember 1962 gewählt. Damals wurde die Präsidentschaft noch nicht auf zwei Amtsperioden begrenzt.

Kurz nach seiner dritten Wahl, am 23. April 1963, starb Jitzhak Ben-Zwi. Nach seinem Tod wurde das »Yad-Jitzhak-Ben-Zwi«-Forschungsinstitut auf dem Gelände gegründet, das über ein Jahrzehnt als offizielle Residenz des zweiten israelischen Staatspräsidenten gedient hat.

Zalman Shazar (Staatspräsident 1963–1973)

Zalman Shazar – Führer der zionistischen Arbeiterbewegung, Intellektueller und Historiker – wurde 1963 zum dritten Präsident des Staates Israel gewählt.

Shazar wurde 1889 in Weißrussland als Shneor Zalman Rubashov geboren. Aus seinen Initialien SZR entwickelte sich sein hebräischer Name. Er wurde traditionell jüdisch erzogen, besuchte eine Jeschiwa-Schule (Talmud-Schule), war aber auch in der säkularen Literatur sehr belesen. Shazar wurde schon früh in die zionistische Bewegung mit einbezogen. Als begabter Publizist und Autor wurde er aufgrund seiner revolutionistischen Aktivitäten und Veröffentlichungen im Alter von 18 Jahren von der zaristischen Behörden inhaftiert.

Zur Zeit des Ersten Weltkriegs studierte Shazar Geschichte und deutsche Philosophie und arbeitete als Journalist in Deutschland. Da ihm die Ausreise aus Deutschland verboten wurde, lernte er das jüdische Leben in Deutschland kennen.

Nach der Einwanderung in Palästina 1924 diente er in verschiedenen Ämtern der zionistischen Arbeiterbewegung während des britischen Mandates. Er schrieb die täglich erscheinende Zeitschrift »Davar« der »Histadrut« (allgemeine Gewerkschaft der Arbeiter in Israel). Außerdem war er Vorsitzender der Abteilung für Erziehung und Kultur der weltweiten Zionistischen Organisation in der Diaspora.

Shazar wurde in die erste Knesset gewählt und war erster israelischer Erziehungs- und Kulturminister in den kritischen Jahren der ersten Masseneinwanderung in den neugegründeten Staat. Die Schulpflicht und das Erlernen der hebräischen Sprache wurden zum wesentlichen Werkzeug, um einen sozialen nationalen Zusammenhalt zu bilden.

Während Shazar's Amtszeit als Präsident verlegte er die Residenz des Präsidenten in ein modernes Anwesen in einem ruhigen Vorort Jerusalems.

Durch die Begabung Shazars als Redner und Autor strahlte sein Präsidentenamt Intellekt und Gelehrsamkeit aus. Sein Wissen kam in Werken über die Geschichte der Bibelkritik, über die Entwicklung der jüdischen Literatur und über die Rolle der »Kabbalah« (jüdischer Mystizismus) klar zum Ausdruck.

Präsident Zalman Shazar war Gastgeber von 80 Geburtstagsfeiern für bekannte israelische Schriftsteller wie S.Y. Agnon und Gershom Shalom und gründete einen speziellen Fond zur Unterstützung von Schriftstellern.

Eines der Projekte, die er startete war eine Studiengruppe für das Judentum in der Diaspora in Zusammenarbeit mit dem Instititut für Zeitgenössisches Judentum an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Er lud Akademiker zu einer Teilnahme an einer monatlichen Zusammenkunft ein, die der Untersuchung und Diskussion intellektueller und abstrakter Auswüchse der jüdischen Lebensart gewidmet war. Dieser ziemlich exklusive und hochanerkannte Kreis, der die Elite Jerusalems und Repräsentanten von jüdischen Gemeinden in der Diaspora zusammenbrachte, wurde zu einer Institution. Jede Gastrede wurde diskutiert und anschließend oft von Shazar zusammenfassend publiziert.

Shazar war für zwei Fünfjahres-Perioden im Amt bis er im Mai 1973 zurücktrat. Im Oktber 1974 starb er in Jerusalem. Das Zalman-Shazar-Zentrum in Jerusalem – ein Verlaghaus für Jüdische Geschichte – wurde zu seinem Gedenken gegründet.

Ephraim Katzir (Staatspräsident 1973–1978)

Professor Ephraim Katzir – ausgezeichneter Wissenschaftler und vierter Präsident des Staates Israel – wurde 1916 in Kiew als Ephraim Katchalski geboren. Er änderte seinen Namen beim Amtsantritt zum Präsidenten. Für Israelis war er »fast ein Sabra«. Seine Familie wanderte in das britisch regierte Palästina ein, als er sechs Jahre alt war. Er wuchs in Jerusalem auf. 1932 studierte er Biologie an der Hebräischen Universität auf dem Skopusberg, an der er 1941 zum Doktor der Philosophie promovierte.

Wie andere Studenten zu seiner Zeit war auch er Mitglied der »Haganah«, der jüdischen Untergrundarmee, wo er bei der Untersuchung von militärischen Strategien und an der Entwicklung von Sprengstoff, Treibstoff und ähnlichem mitwirkte. Während des Unabhängigkeitskrieges wurde er zum Leiter der wissenschaftlichen Abteilung der Israelischen Verteidigungsarmee befördert.

Professor Katzir war eines der Gründungsmitglieder des Weizmann-Forschungsinstitutes im Jahre 1949. Als Gründer und Leiter der Abteilung Biophysik war an der Entdeckung von künstlichen Proteinmodellen beteiligt, die wesentlich zum Verständnis der Biologie, Chemie und Physik beitrugen.

Drei wichtige Ereignisse markieren Katzirs Leben. Seine Zeit im Amt begann am 24. Mai 1973, vier Monate vor dem Ausbruch des Jom-Kippur-Krieges und ein Jahr nach dem tragischen Tod seines Bruders, Professor Aharon Katzir, der im Mai 1972 bei einem Terroristenanschlag am Ben-Gurion Flughafen ermordet wurde. Das dritte Ereignis, diesmal ein erfreuliches, war der Empfang des ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat in Jerusalem im November 1977.

Katzir erachtete die Ausbildung und die Wissenschaft als Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Als ehemaliger Chefwissenschaftler der israelischen Armee (1966–68) besuchte er Einheiten der Armee, militärische Forschungseinrichtungen und die Industrie und Ausbildungsstätten. Er förderte Studien, die die Gefahren der Assimilation der Juden in der Diaspora analysierten und richtete jüdische Fächer an ausländischen Schulen und Universitäten ein. Er hielt es für die »letzte Gelegenheit«, der jüdischen Jugend in der Diaspora zu ihrer Idendität zu verhelfen.

1966 nahm er die Einladung von Premierminister Levi Eshkol an, einen Ausschuss zur Beratung der Regierung in Wissenschafts- und Technologiefragen zu leiten. Daraus resultierte eine bessere Zusammenarbeit zwischen staatlichen Einrichtungen, Bildungseinrichtungen und der Industrie, die wiederum eine erhebliche Erhöhung der Haushaltsausgaben für Forschung und Entwicklung erzielte. Mit diesem Geld konnten viele innovative wissenschaftliche Forschungen betrieben werden, die der Industrie und der Landwirtschaft neue Wege ermöglichten.

Nach seiner fünfjährigen Amtszeit trat er zurück, um sich wieder der Forschung zu widmen. Als er an das Weizmann-Forschungsinstitut zurückkam, räumte er der Forschung im Bereich der Biotechnologie die größte Priortät ein. Er spielte eine wesentliche Rolle bei der Gründung des Fachbereiches Biotechnologie an der Tel Aviver Universität und war überzeugt davon, dass Israel in Zukunft eine Vielzahl von hochqualifizierten Arbeitskräften für den wachsenden High-Tech-Sektor benötigen würde.

Ephraim Katzir starb am 30. Mai 2009 im Alter von 93 Jahren in seiner Heimatstadt Rechowot 20 Kilometer südlich von Tel Aviv.

Jitzhak Navon (Staatspräsident 1978–1983)

Jitzhak Navon – Politiker, Pädagoge und Autor – wurde 1921 in Jerusalem als Sohn einer langen Linie sephardischer Rabbiner geboren. Seine Familie lebte seit über 300 Jahren in Jerusalem und kann ihre Wurzeln bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 zurückverfolgen. Mit dem Abschluss an der Hebräischen Universität in den Hauptfächern Islam und Pädagogik, diente Navon als Leiter der arabischen Abteilung der »Haganah« in Jerusalem in den kritischen Jahren 1946 bis 1948.

1951 begann Navon eine zehnjährige Karriere als Direktor in den Ämtern des ersten Premierministers David Ben-Gurion und seines Außenministers Moshe Sharett.

1963 wurde er zum Leiter der Kulturdivision des Ministeriums für Erziehung und Kultur ernannt. Navon machte einige hundert weibliche Soldaten als Hebräischlehrerinnen mobil, um die Analphabetenrate unter den Einwanderen zu bekämpfen. Von 1965 bis 1978 war Navon ein Mitglied der Knesset, wo er als Abgeordnetensprecher und als Vorsitzender des Auslands- und Verteidigungsausschusses diente.

Während seiner Karriere im öffentlichen Leben war Navon Sprecher und Förderer der sephardischen Gemeinde in Israel. Er gewann durch seine Bücher, Theaterstücke und Fernsehsendungen, die das Leben der sephardischen Juden populär machten, immer mehr Anerkennung.

1978, im Alter von 57 Jahren wurde Jitzhak Navon zum fünften Präsident des Staates Israel gewählt. Er amtierte in einer Zeit mit einer erhöhten politischen, sozialen und ethnischen Polarisation, einer öffentlichen Kontroverse über den Rückzug aus dem Sinai und der Evakuierung der jüdischen Siedler aus diesem Gebiet. In seine Regierungszeit fiel der Libanonkriegs 1982.

Navon wollte eine Brücke bilden zwischen israelischen Religiösen und Säkularen, Sephardim und Aschkenasim, Linken und Rechten, Juden und Arabern. Mit diesem Ziel besuchte er vernachlässigte Siedlungen und benachteiligte Stadtbezirke und stärkte deren Selbstbewusstsein. Navons Warmherzigkeit und Diplomatie trugen wesentlich zu der Entspannung der explosiven Situation während des Rückzuges aus dem Sinai bei.

Ein Höhepunkt seiner Amtszeit war sein Staatsbesuch beim ägyptischen Präsidenten Anwar Saddats im Jahr 1980. Er beeindruckte seine Gastgeber mit seinem fließenden Arabisch, mit dem er das Eis brach und das Vorurteil niederriss, dass Israelis und Juden im Nahen Osten ein fremdes Element seien. Auf einem weiteren Staatsbesuch in den Vereinigten Staaten traf er Präsident Ronald Reagan.

Obwohl er die meiste Energie in die Förderung von Harmonie und Konsensbildung investierte, wich er als erster Präsident von seiner vom Gesetz vorgeschriebenen repräsentativen Rolle ab. Bei einer politisch kontrovers diskutierten Angelegenheit machte er eine öffentliche Aussage und kritisierte damit indirekt die Regierung. Er forderte die Errichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission für die Vorkommnisse in den libanesischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila, wo christliche Kämpfer moslemische Flüchtlinge in einem Gebiet unter israelischer Kontrolle massakrierten. Dies war ein Akt, der zu einem mehr politischen Präsidentschaftsamt geführt hat.

Nach seinen fünf Jahren als Präsident kehrte Jitzhak Navon zur Parteipolitik zurück. 1984 wurde er wieder in die Knesset gewählt und zum stellvertetenden Premierminister und Bildungs- und Kulturminister ernannt. Er war einer der Architekten, die die Veranstaltungen zum 500. Jahrestag der Vertreibung der Juden aus Spanien planten. Dabei initiierte er die erste kulturelle Zusammenarbeit zwischen Israel und Spanien.

Chaim Herzog (Staatspräsident 1983–1993)

Chaim Herzog – Diplomat, Soldat, Gelehrter, Politiker, Journalist und Jurist – wurde 1918 in Belfast in Nordirland geboren. Der Sohn des irischen Oberrabbiners Rabbi Isaac Halevi Herzog (der später der zweite Oberrabiner der aschkenasischen Juden in Israel wurde) wuchs in Dublin auf, wo er eine jüdische Erziehung erfuhr, während er das Wesley College besuchte. Er wanderte 1935 im Alter von 17 Jahren in Israel ein und studierte zuerst an einer Jeschiwaschule (Talmud-Schule) und anschließend Jura.

Herzog ließ sich auf eine Karriere ein, die mit vielen militärischen Angelegenheiten verbunden war. Er diente in der »Haganah« während des arabischen Aufstandes 1936 bis 1939. Als er in London sein Jurastudium beendete (1942) schloss er sich der britischen Armee an, in der er als Nachrichtendienstoffizier in der Normandie und im besetzten Deutschland diente. Für diesen Dienst erhielt er eine Auszeichnung. 1948, als der Staat Israel gegründet wurde, wurde er Offizier in der israelischen Armee. Er wurde bis zum Generalmajor befördert, bis er 1962 aus der Armee ausschied.

In den folgenden 20 Jahren war er als Manager in der Industrie tätig und wurde später Chef einer Anwaltskanzlei in Tel Aviv. Während des Sechs-Tage- und des Jom-Kippur-Kriegs war er Chefkommentator für den Rundfunksender »Israel Radio«. Dabei wurde er berühmt für seine ausgeglichene Berichterstattung, die dem Zusammenhalt der israelischen Gesellschaft Auftrieb gab. Nach dem Sechs–Tage–Krieg wurde Chaim Herzog wieder in die Armee einberufen, um als erster Befehlshaber über Judäa, Samaria und Ostjerusalem eingesetzt zu werden.

Ein weiterer Meilenstein in Herzogs facettenreicher Karriere war seine Zeit als Botschafter bei den Vereinten Nationen in einer besonders kritischen Zeit von 1975 bis 1978. Israels Ansehen schwand mit der israelfeindlich gesinnten Koalition des kommunistischen Blocks der arabischen Staaten. Die Spannung erreichte ihren Höhepunkt im November 1975 mit der Resolution der Vereinten Nationen, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzte. Diese Resolution veranlasste den sonst eher gelassenen Herzog dazu, nach einer Verteidigungsrede für sein Volk den Resolutionsentwurf vor der Versammlung zu zerreißen.

Chaim Herzog schrieb eine Reihe von Büchern über Militärgeschichte und war ein begehrter Kommentator in politischen und militärischen Angelegenheiten. 1981 wurde er für die Arbeitspartei in die Knesset gewählt. Er trat von der Knesset zurück, als er zum Präsidenten gewählt wurde und am 5. Mai 1983 zum sechsten Präsidenten des Staates Israel vereidigt wurde.

Herzog reiste sehr viel. Mit seinem makellosen Englisch und seiner weltmännischen Art dienten seine Anstrengungen als Präsident dem Ansehen Israels im Ausland. Bei Staatsbesuchen in über 30 Länder, darunter der erste Besuch eines israelischen Präsidenten in Deutschland und China, sprach er zu 15 Regierungen, hatte unzählige öffentliche Auftritte, sprach zu den Medien und hielt private Treffen mit ausländischen Präsidenten ab. Er erklärte die Position Israels, sprach die unfaire Kritik von den Medien und ausländischen Regierungen an, ermutigte zu engeren diplomatischen Beziehungen und förderte Wirtschaftsbeziehungen.

Herzog betonte auch die Zentralität Israels, befürwortete eine starke zionistische Verbindung zwischen Israel und den jüdischen Gemeinden in aller Welt und trat für die Wichtigkeit der jüdischen Erziehung ein.

Während seiner Amtszeit führten unentschiedene Wahlergebnisse zu sechs Regierungswechseln und vier neuen Premierministern, wobei Präsident Herzog oft die Rolle des unparteiischen Schiedsrichters spielen musste.

Obwohl Präsident Herzog es unterließ, die Regierung zu kritisieren, war er der Politik nicht fern. Mit seiner offenen Art war er freimütiger als seine Vorgänger. Es war ihm wichtig zu betonen, dass er der Präsident aller Israelis sei und bemühte sich, die arabischen und drusischen Minderheiten genauso oft zu besuchen wie die jüdischen Siedler. Zu heiß diskutierten Angelegenheiten scheute er sich nicht öffentliche Aussagen zu machen. Er verlangte Einschränkungen für politische Randgruppen, die zur Gewalt aufriefen und er machte Gebrauch von der Begnadigung von Verurteilten in einigen kontroversen Fällen. Präsident Herzog übte seinen Einfluss im Wahlsystem aus und spielte eine Schlüsselrolle im Prozess zur Regierungsbildung. 1984 und 1988 leitete er die Bildung einer nationalen Einheitsregierung ein.

Chaim Herzog trat im Mai 1993 von seinem Amt zurück und wandte sich dem Privatleben zu. An der Errichtung des »Zentrums für Nahost-Studien und -Diplomatie« an der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva beteiligt, das heute seinen Namen trägt, war er intensiv beteiligt. Chaim Herzog starb am 17. April 1997. Mehrere Bildungseinrichtungen sind heute seinem Gedenken gewidmet.

Ezer Weizman (Staatspräsident 1993–2000)

Ezer Weizman – Luftwaffengeneral, Politiker und Neffe des ersten Präsidenten Chaim Weizmann – wurde am 13. Mai 1993 zum siebten Präsidenten des Staates Israel vereidigt.

Weizman wurde 1924 in Tel Aviv geboren und wuchs in Haifa auf. Er startete seine lange militärische Laufbahn als Kampfpilot während des Zweiten Weltkrieges durch den Eintritt in die Royal Air Force 1942 im Alter von 18 Jahren. Nach dem Krieg kehrte er in das britische Mandatsgebiet Palästina zurück und war einer von einer handvoll Piloten, die die Luftwaffe der »Haganah« gründeten. Er diente als Kampfpilot während des Unabhängigkeitskrieges und führte als Führungskraft in der »Israel Air Force« die Verwendung von elektronischen Kriegssystemen in der Luftwaffe ein. Während des Sechs-Tage-Krieges wurde er zum »Stellvertetenden Chef vom Dienst« befördert. 1969 zog er sich als Generalmajor aus der Armee zurück und wandte sich der Politik zu.

Seine freimütige und lebhafte Persönlichkeit und die festen politischen Ansichten machten Ezer Weizman schon in der Armee zu einem provokativen Mann. In den 25 Jahren nach seinem Rücktritt aus der Armee hatte er mehrere Schlüsselpositionen inne. Er leitete die Wahlkampagne, die dem Likudvorsitzenden Menachem Begin nach fast 30 Jahren in der Opposition 1977 zur Regierung verhalf und wurde Verteidigungsminister. 1980 zog er sich aus der Politik zurück, um in der Wirtschaft tätig zu werden.

Nach vier Jahren kehrte er ins öffentliche Leben zurück, gründete eine kleine unabhängige Partei und wurde Minister für die folgenden sechs Jahre, zuerst als Minister für arabische Beziehungen, dann als Minister für Forschung und Entwicklung. 1992 zog er sich von der aktiven Teilnahme aus der Politik zurück und wurde ein Jahr später zum Präsidenten gewählt.

Ezer Weizmans starke Persönlichkeit und seine einmalige Art, die jede seiner Unternehmungen vom Luftwaffenkommandeur bis zum Regierungsminister durchzogen hatte, prägte auch sein Präsidentenamt. Weizmans bodenständige Art unterschied sich stark von der staatsmännischen und erhabenen Vorgehensweise seiner Vorgänger. Sein einzigartiger Charakter mit der Formlosigkeit und Unreserviertheit eines Sabra spiegelte die warme, dynamische und unstrukturierte Natur der israelischen Gesellschaft wider.

Obwohl Präsident Weizman zu Staatsbesuchen nach Großbritannien, Indien, Südafrika und in die Türkei reiste, lag sein Augenmerk stets mehr auf Israel und seinen unmittelbaren Nachbarn.

Zusätzlich zu den geplanten Besuchen in verschiedenen Gemeinden und der Teilnahme an wichtigen öffentlichen Veranstaltungen unternahm Weizman auch ungeplante und spontane Besuche. Während der Kampagne gegen den Terrorismus der »Hisbollah« im Juli 1993 demonstrierte er seine Solidarität mit den israelischen Bürgern an der Nordgrenze Israels, die er besuchte, obwohl die Städte noch unter Beschuss stand. Er blieb sogar über Nacht und schlief in Begleitung israelischer Soldaten in einem Bunker. Während seines Aufenthalts besuchte er Verwundete in Krankenhäusern, Familien von Gefallenen und Terroropfern in ihren Häusern.

Weizman hat die einzige echte Machtbefugnis des Präsidentenamtes, das Recht zur Begnadigung, auf seine Weise ausgeübt: Er hat die meisten Empfehlungen des Justizministeriums zu Begnadigungen zurückgewiesen.

Gegen Ende seiner Amtszeit übernahm Ezer Weizmann eine aktivere Rolle in politischen Angelegenheiten als je ein Präsident zuvor. Diese Einmischungen wurden in der Öffentlichkeit heftig diskutiert. Er traf sich mit am Friedensprozess beteiligten Politikern, obwohl dies nicht in seiner diplomatischen Kompetenz lag. Darüber hinaus hat er öffentlich die Regierungsarbeit kritisiert und versuchte die Entgleisung des Friedensprozesses zu verhindern. Seine einzigartige Art der Diplomatie, sein Charme und seine persönlichen Beziehungen haben die Gespräche zwischen Israel, der Palästinensischen Behörde und Ägypten wiederbelebt.

Ezer Weizman wurde zu einer zweiten Amtsperiode gewählt, legte aber sein Amt aufgrund von Korruptionsverdächtigungen am 10. Juli 2000 nieder. Seine Einmischung in die Tagespolitik bezeichnete er bei der Vereidigung seines Nachfolgers Moshe Katzavs als einen Fehler seiner eigenen Amtszeit.

Moshe Katsav (Staatspräsident 2000–2007)

Moshe Katsav ist sephardischer Jude. Er wurde 1945 in Persien geboren und kam 1951 mit seinen Eltern nach Israel. Er war das älteste von acht Kindern und wuchs in einem der neuen Immigranten-Zeltlager auf. Später entstand daraus die Siedlung Kiryat Malachi. Nach der Schule diente er als Korporal in einer Nachrichteneinheit des Heeres.

Danach studierte er an der Hebräischen Universität in Jerusalem, dort wurde er Vorsitzender der Likud-Studentenvertretung. 1969 wurde er zum Bürgermeister in seiner Heimatstadt Kiryat Malachi gewählt und war als 24-jähriger Student der jüngste Bürgermeister Israels. Den Bürgermeisterposten nahm er auch noch einmal von 1974 bis 1981 an.

Seit 1977 ist Moshe Katsav Mitglied der Knesset. Von 1977 bis 1981 war er Mitglied der Knesset-Ausschüsse für Inneres, Umwelt, Bildung und Kultur, außerdem war er Vorsitzender der Knesset Mitgliederlobby für Entwicklungsstädte.

Unter den Likud-Premierministern Menachem Begin und Jitzhak Shamir war Katsav stellvertretender Bauminister (1981–84), Minister für Arbeit und Soziales (1984–88) und Verkehrsminister (1988–92). In der dreizehnten Knesset (1992–96) war er Vorsitzender der Likud-Fraktion, Mitglied des Wohnungsbau-Arbeitskreises und Vorsitzender des parlamentarischen Israel-China-Freundschaftskreises.

Im Juni 1996 wurde er von Premierminister Benjamin Netanjahu zum Tourismusminister und stellvertretenden Premierminister ernannt. Nachträglich wurde er auch noch verantwortlicher Minister für israelisch-arabische Angelegenheiten.

Der Wirtschaftswissenschaftler und Journalist spricht vier Sprachen (hebräisch, englisch, arabisch und persisch). Er ist verheiratet und hat fünf Kinder. Katzav trägt den Ehrendoktorttitel der »University of Nebraska« (USA).

Sein Wahlsieg für das Amt des Staatspräsidenten am 31. Juli 2000 war überraschend. Sein Gegner war kein geringerer als Shimon Peres, zweimaliger Premierminister und Friedensnobelpreisträger. In der Wahl des Likudkandidates Katzav, kam die Meinung der Bevölkerung über die Regierungstätigkeit Ehud Baraks, der vielen als zu nachgiebig gegenüber den Palästinensern erschien, klar zum Ausdruck. Dass jener Jerusalem auf den Verhandlungstisch legte (ebenfalls im Juli 2000 in Camp David) brachte dem in der westlichen Medienwelt zuvor völlig unbekannten Moshe Katzav wahrscheinlich die entscheidenden Stimmen für den Wahlsieg über seinen Konkurrenten aus der Arbeitspartei.

Im August 2006 geriet Katzav in die Schlagzeilen, weil ihm eine Angestellte sexuelle Nötigung vorgeworfen hatte. Er selbst beteuerte seine Unschuld, trat aber am 29. Juni 2007 nach langer Weigerung doch zurück.

Shimon Peres (2007–2014)

Shimon Peres wurde 1923 geboren und wanderte in der 1930er Jahren mit seiner Familie ins Heilige Land ein. Er ist der erste Staatspräsident, der zuvor Premierminister gewesen ist, von 1984–1986 sowie von 1995–1996. Weitere Informationen über ihn gibt es im Kapitel über die Regierung.

Am 13. Juni 2007 wurde er von der Knesset zum neunten Staatspräsidenten Israels gewählt. Vereidigt wurde er am 15. Juli. Er blieb Präsident bis 2014, er starb im Alter von 93 Jahren am 28. September 2016 in Tel Aviv.

Reuven Rivlin (seit 2014)

Reuven Rivlin wurde 1939 in Jerusalem geboren und ist von Beruf Jurist. Am 24. Juli 2014 wurde er als 10. Staatspräsident zum Nachfolger von Shimon Peres.


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