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Babylon – Beherrscht vom Größenwahn

Der Name Babylon zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel: von der Genesis über die Propheten bis zur Offenbarung. Die Stadt ist das Gegenstück zum heiligen Jerusalem, das manifestierte Böse. Oft ging von ihr Unheil aus über Israel, die Juden und die ganze Menschheit. Oft wurde ihr aber auch Gottes Gericht angedroht:

Deshalb wurde die Stadt Babel genannt, weil der Herr dort die Sprache der Menschen verwirrte und sie über die ganze Erde zerstreute. (1. Mose 11,9)

»Das Schwert wird die Babylonier bestrafen«, spricht der HERR. (Jeremia 50,35)

Babylon ist gefallen – die große Stadt ist gefallen! (Offenbarung 18,2)


Die Monumente Babylons waren reich verziert mit den Symbolen der Macht und der Götter.

Nach dem 1. Buch Mose wurde Babel gegründet von Nimrod, der als »heldenhafter Krieger« und »unerschrockener Jäger in den Augen des Herrn« bezeichnet wird (1. Mose 10,8–9). Von Auslegern wird er Gewaltherrscher genannt und es liegt nahe zu vermuten, dass er der Initiator des Turmbaus gewesen sein könnte und sich auf diese Art gegen Gott auflehnte.

Später herrschte der berühmte Nebukadnezar über Babylon. Unter ihm eroberten die Babylonier 587 v. Chr. Jerusalem, zerstörten den Tempel Gottes und führten die Juden ins Exil.

Zuletzt baute Saddam Hussein Paläste in Babylon, das 80 Kilometer südlich der irakischen Hauptstadt Bagdad liegt. Er wollte sich gerne einreihen in die historische Linie der mächtigen Tyrannen Babels. Und er hasste die Juden von Herzen, schoss 1991 Raketen auf Tel Aviv.

Während des Irakkriegs im Jahr 2003 haben die Invasionstruppen der USA und Polens sich der uralten Stadt bemächtigt. Sie wollten die archäologischen Stätten vor Plünderern schützen, gefährden mit ihren Kampfhubschraubern, die bis heute dort stationiert sind, und ihren Militäreinrichtungen aber den geschichtsträchtigen Ort selbst wohl mehr, als vielen Wissenschaftlern lieb ist.

Geben Sie nun die ersten Koordinaten ein und beginnen Sie an dieser Stelle Ihre Entdeckungsreise mit Google Earth, denn eine wirkliche Reise nach Babylon wird Touristen wohl noch auf lange Zeit verwehrt bleiben!

Beobachtet man Babylon aus der Luft, sieht man die Geschichte von über vier Jahrtausenden vor sich ausgebreitet.


Babylon (A): 32.5343N, 44.4303E – Sichthöhe: etwa 4 Kilometer. 6b und 6c sind die Paläste der Söhne Saddams. 6a ist im Kartenausschnitt (C) verzeichnet.

Zoomen Sie nun näher heran zu dem kleinen Rechteck links von der Bildmitte im Kartenausschnitt (B): Hier sehen Sie die Reste der Zikkurat von Etemenanki (1) (sumerisch für Haus des Himmelsfundaments). Es handelt sich um den in der Bibel erwähnten Turm zu Babel!


Babylon (B): 32.5362N, 44.4207E – Sichthöhe: etwa 500 Meter. Die Fundamente des Turmes zu Babel.

Ein Turm in den Himmel

Die ersten archäologischen Ausgrabungen in Babylon fanden 1899 statt. Der Turm ist nach biblischer Zeitrechnung in der Zeit zwischen Sintflut und Abraham gebaut worden – also im späten 4. oder im 3. Jahrtausend vor Christus. Wenn man diese Angaben mit der mesopotamischen Geschichtsschreibung vergleicht, findet man bei König Sargon I. den Hinweis auf einen heiligen Ort in Babel, das er irgendwann zwischen 2300 und 2100 v. Chr. eroberte. Um 2050 v. Chr. wird konkret ein Turm in Babylon erwähnt. Ungenauigkeiten in der Zeitangabe solch früher Epochen lassen sich nicht vermeiden. Deshalb sind Abweichungen von mehreren hundert Jahren möglich und sprechen nicht unbedingt gegen eine sachliche Übereinstimmung.

Hammurabi baute den Turm um 1700 v. Chr. wieder auf, Nebukadnezar hat ihn im 6. Jahrhundert v. Chr. renoviert und erweitert. Man kennt von Babyloniens bekanntestem König nur zwei bildliche Darstellungen, eine davon zeigt ihn auf einem Relief zusammen mit einem siebenstöckigen Turm. Aus der hellenistischen Zeit (229 v. Chr.) stammt eine Auflistung der Maße des Etemenanki: Demnach hatte er tatsächlich sieben Stockwerke und war jeweils 90 Meter breit, lang und hoch.


Ein Modell des Turmes zu Babel steht im Pergamon-Museum. Vom wirklichen Turm sind nur noch die Fundamente übrig und aus der Luft deutlich zu erkennen. Das Grundwasser ist in ihnen an die Oberfläche getreten.

478 v. Chr. zerstörte der persische Herrscher Xerxes den Turm teilweise. Die Geschichte des Monuments endet mit Alexander dem Großen, der die Ruinen des Bauwerks 323 v. Chr. abreißen ließ, um es danach wieder neu zu errichten. Doch dazu kam es nie, Alexander starb nach zahlreichen Eroberungen bereits in jungen Jahren. Danach bediente man sich der Ziegel als Baumaterial und trug die Ruinen bis auf die Fundamente ab. 1971 erklärte die irakische Regierung, den Turm wieder aufbauen zu wollen. Doch auch Saddam Hussein konnte diesen Vorsatz nicht verwirklichen.

Paläste, Gärten, Hubschrauber


Babylon (C): 32.5437N, 44.4211E – Sichthöhe: etwa 1000 Meter. Die Südburg Nebukadnezars (2), der »Kasr« (3) und die vermuteten Hängenden Gärten (3), das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße (5) sowie Saddam Husseins Palast (6a) und in Babylon stationierte Militärhubschrauber (7).

Die Südburg Nebukadnezars II. (2): 600 Meter nördlich des Turms stoßen wir auf den Königspalast eines Herrschers, der uns ebenfalls aus der Bibel bekannt ist: Mit der »Südburg« Nebukadnezars wurde in den Jahren 1900 bis 1906 ein gewaltiger Komplex freigelegt, dessen Hauptzugang im Osten liegt, zur Prozessionsstraße hin. Fünf Innenhöfe, von denen der größte 55 mal 60 Meter groß ist, breiten sich in dem 300 Meter langen Palast aus. Über den mittleren Innenhof erreicht man den ausladenden Thronsaal – darin ist auf der Südseite die Nische zu sehen, in der mit hoher Wahrscheinlichkeit Nebukadnezars Thron stand.

Robert Koldewey hat bei seinen Ausgrabungen Keilschrifttafeln gefunden. Erwähnt wird darauf der aus der Bibel bekannte König Jojachin, der in babylonischer Gefangenschaft begnadigt wurde und Gast war »am Tisch des Königs« (vgl. Jeremia 52,33). Saddam Hussein hat auf den Ruinen der Südburg den Palast neu errichtet – und stellte sich damit in die Herrscherlinie Nebukadnezars. 1982 begannen seine Arbeiter, den Palast mit seinen 600 Räumen zu rekonstruieren – allerdings nicht im Sinne der Archäologen. Über die ursprünglichen Ziegelsteine, die knapp einen Meter aus dem Boden ragten und Inschriften zur Ehre Nebukadnezars II. trugen, erbaute Hussein mit 60 Millionen Steinen den Palast zu seiner eigenen Ehre wieder auf: »In der Ära Saddam Husseins, dem Beschützer des Irak, der Babylon neu erbaut.« Viele der neuen Steine begannen aber schon nach zehn Jahren auseinanderzubrechen!

Der »Kasr« (3): Der gesamte Palast Nebukadnezars musste noch größer sein, doch die Ausgräber um Koldewey konnten sich nur ein unklares Bild des Grundrisses machen. Durch Ziegelraub war schon vieles zerstört, doch immerhin sind noch Teile der 17 Meter dicken Mauer und des über 15 Meter hohen Fundaments zu erkennen.

Man vermutet in diesem Bereich auch die sagenhaften Hängenden Gärten der Semiramis – eines der Sieben Weltwunder der Antike. Koldewey entdeckte nordöstlich der Südburg einen Gewölbebau und nahm an, dass dieser als Substruktion der Hängenden Gärten diente. An dieser Interpretation ist jedoch Kritik geübt worden und es gibt zahlreiche Alternativen.

Die Stadtmauer (4): Durch die Gestalt der Oberfläche war der Verlauf der Stadtmauer Babylons weitgehend bekannt, doch ihre mächtige Struktur wurde erst durch die Grabungen im Jahr 1904 ersichtlich: Der doppelte Mauerring um die Innenstadt bestand aus einer 3,25 Meter dicken äußeren und einer 6,50 Meter dicken inneren Mauer. Die äußere Stadtmauer war fast 5 Kilometer lang und bestand aus einer dreifachen Sicherung: Ein Wassergraben, der mit einer Böschungsmauer gesichert war, eine 8  Meter starken Mauer aus gebrannten und im Abstand von 12 Metern noch eine 7 Meter starke Mauer aus Lehmziegeln. Es wird vermutet, dass dieser Abstand noch bis zur Höhe der Mauern aufgefüllt war, und die gesamte Wehranlage somit fast 27 Meter dick war – eine uneinnehmbare Festung! Das rekonstruierte Marduk-Tor ist gut erkennbar.

Koordinaten: Babylon (Marduk-Tor): 32.5418N, 44.4343E

Das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße (5): Um das originale Ischtar-Tor zu besichtigen, muss man nicht in den Irak reisen – es steht im Pergamonmuseum in Berlin. Doch ursprünglich – bis zu dem Zeitpunkt, als es Robert Koldewey in die deutsche Hauptstadt brachte – stand die Ruine des Tors in Babylon. Nach dem Vorbild, wie das Ischtar-Tor in Berlin restauriert wurde, baute Saddam Hussein an der Originalstätte ein neues auf.


Das Ischtar-Tor aus der Zeit Nebukadnezars wurde im Pergamonmuseum in Berlin aus den Funden der Archäologen rekonstruiert.

Saddams Paläste (6a): Aus der Satellitenperspektive kann man es schön erkennen: drei Hügel, auf die jeweils eine gewundene Straße führt, bilden ein gleichseitiges Dreieck um das antike Babylon.

Auf jedem Hügel wollte der Diktator einen Palast bauen lassen: einen für sich selbst – der fertiggestellt worden ist (6a) – und je einen für seine beiden Söhne (6b und 6c). Die Hügel haben einen Abstand von jeweils 2600 Metern.

Hubschrauber (7): Wenige Meter östlich der Prozessionsstraße sind sieben Kampfhubschrauber der alliierten Streitkräfte zu sehen – sehr zum Leidwesen aller Archäologen. Bevor das Datenmaterial in Google Earth im Juni 2006 aktualisiert wurde, standen hier sogar fünfzehn Helikopter, 500 Meter südlich des Saddam-Palastes (6a) befanden sich weitere acht, sogar ein fliegendes Exemplar war zu finden.


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